13. Mai 2022 | Marktberichte

Aargauer Konjunkturbarometer | Mai 2022

Gastronomie- und Event-Branche im Hoch
Aargauer Konjunkturbarometer | Mai 2022
Der Aargauer Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung steigt um 2,8% auf 96,6 Punkte. Damit tendiert der Indikator noch 3,4% unter dem langfristigen Wachstumstrend von 100 Punkten. Der Aargauer Konjunkturbarometer wird getrieben vom Boom in Gastronomie und Freizeitindustrie. An den Finanzmärkten herrscht jedoch Skepsis vor.

 
Steigende Nachfrage von Dienstleistungen

Wie Internetdaten zeigen, erfreuen sich Gastronomie und Hotels sowie der Event- und Sport-Sektor grosser Beliebtheit. Hier entwickelt sich ein eigentlicher Boom, was sich in einem Arbeitskräftemangel bemerkbar macht. Ursache dafür ist die Entspannung bei Covid-19 und dem Wegfall von Schutzmassnahmen. Das Interesse an Online-Shopping lässt zwar etwas nach, der physische Handel in den Shops scheint dies jedoch zu kompensieren. Experten gehen ferner davon aus, dass der Online-Handel nach wie vor wichtig sein wird und nicht auf das Vor-Corona-Niveau zurückfällt. Die Zahl der CH-Internet-Domain-Namen liegt derzeit 3,2% über dem Vorjahr. Im April 2021 hatten die Anmeldungen einen temporären Höchststand erreicht; die Jahresrate klettert auf 6%.
Diese Daten rund um das Konsumklima - welches die Interessen der Internetnutzer misst - kontrastieren allerdings mit dem Resultat der Umfrage zur Konsumentenstimmung des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Der Index der Konsumentenstimmung fiel im April 2022 mit -27 Punkten deutlich unter den langjährigen Mittelwert von -5 Punkten. Ein stärkerer Rückgang hatte letztmals nach Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 stattgefunden. Insbesondere werden gemäss Seco die Erwartungen zur zukünftigen Wirtschaftsentwicklung markant negativer beurteilt. Dies dürfte neben der erhöhten Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine wesentlich dazu beitragen, dass die Konsumentinnen und Konsumenten aktuell bei grossen Anschaffungen zurückhaltend seien. Zudem belasten gemäss Seco die steigenden Preise die finanzielle Lage der Haushalte. 

Leichter Rückgang der Stellenausschreibungen im Aargau

Erstmals seit Mai 2021 gab es im April 2022 auf den Jobplattformen einen monatlichen Rückgang an ausgeschriebenen Stellen. Der Rückgang betrug im Kanton Aargau 1,4%. Die Zahl der publizierten Stellen liegt jedoch immer noch 37% über dem Vorjahr. Schweizweit legten die Stellenanzeigen gegenüber dem Vormonat um 1,3% zu (+45% über dem Vorjahresmonat). Gemäss Seco-Umfrage wird erwartet, dass sich die Arbeitslosenzahlen in den kommenden zwölf Monaten weiter günstig entwickeln. Der KOF Geschäftslageindikator für die Unternehmen in der Schweiz stieg im April und erreicht den höchsten Wert seit der Erholung von der Finanzkrise in den Jahren 2010/2011. 

Öffentliche Ausschreibungen und Baugesuche

Die Zahl der öffentlichen Ausschreibungen liegt im Kanton Aargau im Jahresverlauf (Jan-April) 45% über der Vorjahresperiode. Schweizweit beträgt das Plus rund 20%. Die gute Entwicklung im Kanton Aargau ist zu einem gewissen Teil durch Basiseffekten begründet. Im Jahr 2021 gab es eine grössere Delle, was im Zuge der Normalisierung zu aktuell höheren Wachstumsraten führt. Bei den Baugesuchen ist in einigen Kantonen eine erhebliche Abwärtsbewegung zu beobachten, so auch in den Kantonen Aargau und Zürich. Konkret zeigen unsere Daten für April im Kanton Zürich, dass die Gesuche 19% unter dem Vorjahr liegen. Ob dies mit den starken Bewegungen am Hypothekarzinsmarkt zusammenhängt, ist allerdings noch nicht abschliessend belegt.

Finanzmärkte belasten

Die Entwicklung der Finanzmärkte haben den Aargauer Konjunkturbarometer belastet. Die Volatilität steigt seit einigen Wochen wieder an. Nachlassendes Wirtschaftswachstum, höheren Kosten und steigenden Zinsen bereiten den Anlegern Sorgen. Die Kurse sind seit Jahresbeginn per Saldo rückläufig.

Industrie: Abschwächende Dynamik

Der procure.ch Purchasing Managers' Index (PMI) deutet nach wie vor auf eine rege Industriekonjunktur hin, die Dynamik hat sich aber erneut etwas abgeschwächt. Der Einkaufsmanagerindex für die Schweiz steht auf 62.5 Punkten (März: 64 Punkte). Der Auftragsbestand ist nochmals gestiegen, wobei hier die Lieferkettenproblematik eine Rolle spielt: Gewisse Aufträge können wegen fehlenden Vorprodukten noch nicht abgearbeitet werden. Die Lieferkettenproblematik entspannt sich nur langsam und bei den steigenden Preisen ist vorerst noch keine grosse Linderung zu erwarten.

Swiss Index sinkt um 0,6 Prozent

Der ebenfalls von der Aargauischen Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung herausgegebene und analog erhobene gesamtschweizerische Benchmark - der Swiss Index - verlor im März 0,6% und beträgt neu 93,4 Punkte. Der Swiss Index, bei welchem die Finanzmarkt-Komponente höher und die Industrie-Komponente sowie der Aussenhandel tiefer gewichtet ist, notiert aktuell 6,6 Punkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten. Gemäss der Methodologie kehren beide Indizes früher oder später auf den Wert von 100 Punkten zurück. Das Momentum der beiden Indizes sollte mit einer Verzögerung von rund drei bis sechs Monaten durch die offiziellen Wirtschaftsdaten reflektiert werden. 

 

 

Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung:

Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.

 

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