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Aktuelle Anlagepolitik vom 04.10.2021
Anlagepolitik-Ausschuss

Der APA hat keine Änderungen der taktischen Ausrichtung beschlossen.

 

Aktuelle Anlagestrategie

 
Marktübersicht

Die Verunsicherung an den Finanzmärkten hat spürbar zugenommen. Die Aussichten auf eine sinkende geldpolitische Unterstützung, eine hartnäckige Inflation und eine abnehmende Wachstumsdynamik der globalen Wirtschaft lässt die Anleger vorsichtiger agieren. Gewinnmitnahmen haben im September zu tieferen Kursen an den Aktienmärkten geführt. Aufgrund steigender Zinsen wurden auch Obligationen ihrer Sicherheitsfunktion nicht gerecht und reagierten mit Preisabschlägen. Zusätzlich werfen die Ereignisse in China einen immer längeren Schatten auf die globalen Börsen. Neben der zunehmenden und teilweise willkürlich anmutenden Regulierung verschiedener Sektoren, droht nun die Pleite des zweitgrössten Immobilienentwicklers Evergrande. Immerhin trägt der gesamte Immobiliensektor rund ein Viertel zum Bruttoinlandprodukt bei und kann von daher durchaus als einer der Haupttreiber des vergangenen Wachstumswunders bezeichnet werden. Die chinesische Regierung versucht zwar ein Ansteckungsrisiko auf den gesamten Immobilienmarkt oder das Bankwesen zu vermeiden. Aber im Gegensatz zu früheren ähnlich gelagerten Fällen ist sie nicht gewillt, das in Schieflage geratene Unternehmen um jeden Preis zu retten. Angesichts der Tatsache, dass die Regierung mit Verschärfungen am Kreditmarkt versucht den schuldeninduzierten Immobilienmarkt abzukühlen, verwundert diese Haltung nicht. 

Zusätzlich scheint die zweitgrösste Volkswirtschaft in diesem Jahr weniger stark zu wachsen als angenommen. Die nach wie vor im Zentrum stehende Zero-Covid-Strategie führt bereits bei einzelnen Krankheitsfällen zur Isolation ganzer Gebiete und bremst dadurch die Konjunktur. Auch in den restlichen grossen Wirtschaftsräumen nimmt die Wachstumsdynamik ab. Während das verarbeitende Gewerbe vor allem unter den Engpässen in den Lieferketten und beim Personal leidet, ist es im Dienstleistungsbereich die verstärkte Ausbreitung der Delta-Mutation. Allerdings ist zunehmend spürbar, dass mit den stetigen Impffortschritten die Fahlzahlen wieder zu sinken beginnen. Es ist deshalb nicht mit einem erneuten Konjunktureinbruch ähnlich wie im letzten Jahr zu rechnen. Viel wahrscheinlicher ist die Rückkehr auf einen robusten Wachstumskurs im Rahmen des langfristigen Potenzials.

 
Obligationenmärkte

Der geldpolitische Rückenwind für die Finanzmärkte nimmt definitiv ab. Die wichtigsten Notenbanken bereiten die Anleger auf eine weniger ausgeprägte Unterstützung vor. Die Europäische Zentralbank EZB skizzierte an ihrem letzten Meeting, wie sie zukünftig gedenkt die Wertpapierkäufe leicht zu reduzieren. Sie vermeidete in diesem Zusammenhang das Wort Tapering, weil es keine Hinweise auf eine mögliche Straffung der Geldpolitik geben soll. Es sind in erster Linie die Erhöhungen der Anleihekäufe im Rahmen der Krisenbekämpfung, welche nun gedrosselt werden. Auch die US-Notenbank Fed hat weitere Informationen zur geplanten Rückführung der Wertpapierkäufe geliefert. Bereits bis Mitte des nächsten Jahres könnten diese auslaufen. Voraussetzung dafür ist eine robuste Konjunkturentwicklung sowie eine weitere Entspannung am Arbeitsmarkt. Die Zinsen haben umgehend nach den neusten Ankündigungen der Notenbanken nach oben tendiert und zu Verlusten bei den festverzinslichen Anlagen geführt. Grössere Marktturbulenzen, wie das bei ähnlichen Situationen in früheren Fällen zu beobachten war, sind jedoch ausgeblieben. Es scheint den Zinshütern zu gelingen, durch ihre proaktive und vorausschauende Kommunikation die Finanzmärkte rechtzeitig auf die geldpolitische Wende vorzubereiten. Angesichts der Tatsache, dass die hohen Inflationsraten nicht derart rasch verschwinden werden, wie ursprünglich gedacht, verstärkt momentan den Aufwärtsdruck bei den Renditen zusätzlich. Wir gehen deshalb von tendenziell steigenden Zinsen in den nächsten Monaten aus. Allerdings dürfte der Anstieg gemächlich und in Anlehnung an die wirtschaftlichen Fortschritte passieren. Aus Rücksichtnahme auf die Finanzmärkte und die Wirtschaft werden die Notenbanken sich hüten einen übermässigen Anstieg der Zinsen zu provozieren.

Performance September 2021 (YTD in dunkler Farbe) in %, Basis CHF

 

Aktienmärkte

Die Aktienpreise zeigen sich in den letzten Wochen ungewohnt volatil. Die steigenden Unsicherheiten bezüglich Geldpolitik, Pandemie- und Wirtschaftsentwicklung sowie die Ereignisse in China erhöhen die Risikoaversion der Anleger. Die deutlichen Gewinne des laufenden Jahres scheinen den einen oder anderen Marktteilnehmer zu Verkäufen zu motivieren. Zudem liegt die Bewertung der Aktienmärkte deutlich über dem langjährigen Durchschnitt und lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Eine positive Ausnahme bildet momentan der japanische Aktienmarkt. Im bisherigen Jahresverlauf aufgrund der unglücklichen Krisenbekämpfung nicht so richtig auf Touren gekommen, haben die japanischen Papiere in den letzten Wochen deutlich an Wert zugelegt. Hauptverantwortlich dafür ist die Rücktrittsankündigung des aktuellen Premierministers Suga. Die Marktteilnehmer spekulieren hinsichtlich seines Nachfolgers auf eine stärkere finanzielle Unterstützung der Wirtschaft zur Bekämpfung der negativen Pandemiefolgen. Zudem hat Japan im Gegensatz zu den meisten anderen grossen Industrienationen kein akutes Inflationsproblem, weshalb die Geldpolitik weiterhin äusserst expansiv bleiben wird. Angesichts der gestiegenen Risiken gehen wir davon aus, dass die Preisentwicklung an den Aktienmärkten vorderhand volatil bleiben wird. Aufgrund der weiterhin positiven Konjunkturaussichten rechnen wir allerdings nicht mit einer nachhaltigen Trendwende an den Börsen. Die positive Gewinnentwicklung der Unternehmen sollte für die Beteiligungspapiere mittel- und langfristig weiterhin eine solide Stütze darstellen.

Performance September 2021 (YTD in dunkler Farbe) in %, Basis CHF

 

Devisenmärkte

Die Schweizerische Nationalbank SNB hat an ihrem letzten Meeting erneut ihren Frankenfokus bestätigt. Sie erachtet unsere Heimwährung immer noch als hoch bewertet und hält deshalb an ihrem Abwehrdispositiv aus Negativzinsen fest. Gemessen an der Kaufkraftparität ist der Franken jedoch gar nicht mehr derart stark. Aufgrund der anhaltend tiefen Inflation in der Schweiz hat sich die Überbewertung zu den anderen Hauptwährungen sukzessive abgebaut. Daraus kann abgeleitet werden, dass die SNB vor allem die Exportwirtschaft im Blickfeld hat, wenn sie sich Sorgen um eine starke Heimwährung macht. Unsere einheimische Wirtschaft hat jedoch schon mehrfach bewiesen, dass sie sehr anpassungsfähig ist, was die Wechselkursproblematik anbelangt. Dieser Umstand nimmt der SNB den Druck, nachhaltig am Devisenmarkt intervenieren zu müssen. Zunehmend kann sie den Franken wieder den Marktkräften überlassen. Der Dollar profitiert von der Optik bald steigender Zinsen. Gemäss heutigem Kenntnisstand könnte die US-Notenbank zu den ersten massgebenden Instituten gehören, welche die Zinsen erhöhen wird, auch wenn dies voraussichtlich frühestens gegen Ende 2022 passiert. Zudem scheint der US-Dollar wieder vermehrt auf der Einkaufsliste risikoaverser Anleger zu stehen. Zwischenzeitlich hatte man den Eindruck, der Greenback würde seinen Nimbus als sicheren Hafen zunehmend verlieren. Die Renditeaussichten für den Euro bleiben hingegen bescheiden. Die EZB hat klar gemacht, dass sie vorderhand die Geldpolitik nur marginal anpassen wird. Aus dieser Optik scheint momentan der US-Dollar beim wichtigsten Währungspaar die Nase vorn zu haben. Die zyklischen Währungen Norwegens, Australiens und Kanadas profitieren von der starken Nachfrage nach Rohstoffen. Eine Tendenz, welche bereits zum Beginn des Jahres zu beobachten war, dann allerdings im weiteren Verlauf an Momentum verloren hat. Die jüngsten Avancen an den Rohstoffmärkten scheinen nun das Anlegerinteresse an diesen Währungen erneut geweckt zu haben.

Performance September 2021 (YTD in dunkler Farbe) in %, Basis CHF

 

Übrige Anlagekategorien

Der steigende Ölpreis will nicht so richtig zu den rückläufigen Konjunkturindikatoren passen. Allerdings ist die Nachfrage weiterhin hoch und trifft auf schlecht gefüllte Lager. Zudem sorgen Störungen auf der Angebotsseite für zusätzlichen Preisauftrieb. Jüngst haben Wirbelstürme im Golf von Mexico für einen Produktionsausfall bei den Raffinerien gesorgt. Es ist davon auszugehen, dass der Ölpreis auf hohem Niveau verharren wird, zumal die geeinigten OPEC+-Staaten mit einer aktiven Steuerung der Angebotsseite seit Monaten den Preis geschickt in ihrem Sinne steuern. Gold dagegen kann im aktuellen Marktumfeld nicht von der steigenden Risikoaversion der Anleger profitieren. Einerseits verteuert der starke Dollar den Goldpreis für ausländische Anleger, andererseits sprechen die steigenden Zinsen gegen das ertragslose Edelmetall.

Performance September 2021 (YTD in dunkler Farbe) in %, Basis CHF

 

Schlussfolgerung 

Die Spannung an den Finanzmärkten hat spürbar zugenommen und stellt eine volatile Entwicklung in Aussicht. Wir halten aus dieser Optik an einer leicht defensiveren Ausrichtung unserer Anlagestrategien fest. Die Hauptanlageklassen Obligationen, Aktien und Schweizer Immobilienfonds sind jeweils leicht untergewichtet. Eine erhöhte Liquiditätsquote gibt uns den nötigen Spielraum, um rasch von sich bietenden Marktopportunitäten profitieren zu können. Trotz aller Vorsicht wollen wir an dieser Stelle festhalten, dass wir nicht von einer nachhaltigen Wende des Aufwärtstrends an den Aktienmärkten ausgehen. Zwischenzeitliche Korrekturphasen gehören zu jeder Hausse dazu und sorgen dafür, dass sich die Märkte nicht zu stark von der Realität entkoppeln.

 

 

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Publiziert von: Aargauische Kantonalbank

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