Aktuelle Marktübersicht
Marktumfeld
Der Jahreswechsel ist an den Finanzmärkten gelungen. Ähnlich solide, wie das Anlagejahr 2025 endete, hat das neue begonnen. Vor allem die Aktienmärkte profitieren weiterhin von der Aussicht auf sinkende US-Leitzinsen und der Hoffnung auf Produktivitätsgewinne durch den breiten Einsatz künstlicher Intelligenz. Zudem bleiben die Konjunkturdaten robust und signalisieren nach wie vor kein erhöhtes Rezessionsrisiko.
Allerdings haben die geopolitischen Spannungen zuletzt weiter zugenommen. Zu den anhaltenden Konflikten in der Ukraine und im Gazastreifen sind neue Unsicherheiten in Venezuela und im Iran hinzugekommen. Dennoch reagieren die Marktteilnehmenden bislang erstaunlich gelassen; eine erhöhte Risikoaversion ist kaum spürbar. Lediglich die gestiegenen Gold- und Ölpreise deuten auf eine leicht veränderte Risikowahrnehmung hin.
Die US-Wirtschaft zeigt weiterhin keine deutlichen Schwächezeichen. Zwar kühlt sich der Arbeitsmarkt allmählich ab, doch geschieht dies nur langsam und graduell, sodass daraus keine Rezessionssignale abgeleitet werden können. Hauptstütze bleibt der Privatkonsum. Trotz schwachem Konsumentenvertrauen infolge höherer Inflation und zunehmender Arbeitsplatzunsicherheit scheint die Kauflaune der Amerikanerinnen und Amerikaner ungebrochen. Ein Grund dafür könnte sein, dass ein kleiner Teil wohlhabender Haushalte einen überproportionalen Anteil an den Konsumausgaben trägt. Ihre Vermögenslage hat sich dank steigender Preise für Immobilien und andere Anlagegüter in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Schere zum Durchschnittsbürger hat sich entsprechend vergrössert.
Auch die europäische Wirtschaft präsentiert sich laut aktuellen Konjunkturdaten robuster als erwartet. Eine schwächere Exporttätigkeit wird durch eine lebhafte Binnenkonjunktur ausgeglichen. Davon profitiert insbesondere der Dienstleistungssektor, während das verarbeitende Gewerbe weiter unter Druck steht. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in der Schweiz: Der Zoll-Deal hat zwar einen wichtigen Unsicherheitsfaktor für Exporteure beseitigt, doch der starke Franken und die Schwäche einzelner Absatzmärkte bremsen das Wachstum derzeit auf ein unterdurchschnittliches Niveau.
Obligationenmärkte
Die Anleiherenditen sind im Dezember deutlich gestiegen und haben spiegelbildlich zu empfindlichen Verlusten bei festverzinslichen Anlagen geführt. Ursache war die Sorge, dass es weniger Zinssenkungen geben könnte als bislang erwartet. In der Eurozone wurde zwischenzeitlich sogar über eine baldige Zinserhöhung spekuliert, eine Reaktion auf verbesserte Konjunkturaussichten und steigende Inflationserwartungen. Dennoch halten wir eine baldige Wende hin zu einer restriktiveren Geldpolitik für unwahrscheinlich. Die Wachstums- und Inflationsrisiken bleiben dafür weiterhin hoch.
Inzwischen hat sich die zuvor sehr pessimistische Haltung an den Märkten teilweise korrigiert. Dennoch dürfte das Ausmass künftiger Zinssenkungen geringer ausfallen als in früheren Zyklen. Hauptgrund ist die Inflationsentwicklung: Zwar gehören die Rekordwerte nach der Pandemie der Vergangenheit an, doch expansive Fiskalpolitik und veränderte Handelsströme infolge von Zöllen könnten mittelfristig für anhaltend erhöhte Güterpreise sorgen.
Die geldpolitischen Entscheidungen zum Jahresende brachten keine grossen Überraschungen, zeigten aber erneut eine uneinheitliche Linie der Notenbanken: Während die Zentralbanken in den USA und Grossbritannien Zinsen senken, halten Europa und die Schweiz ihre Leitzinsen stabil, und Japan hat sie erhöht. In den USA rückt zudem die Unabhängigkeit der Notenbank Fed verstärkt in den Fokus. Präsident Donald Trump versucht offenbar, politischen Druck auf die Institution auszuüben, um mit tieferen Zinsen die Konjunktur zu stützen und sich damit Vorteile für die Midterm-Wahlen im Herbst zu verschaffen. Bisher lässt sich Fed-Chef Jerome Powell von diesen Versuchen jedoch nicht beeindrucken.
Performance Dezember 2025 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF
Aktienmärkte
Nach einem versöhnlichen Abschluss und einem stabilen Jahresauftakt könnte man den Eindruck gewinnen, die internationalen Aktienmärkte seien immun gegen die zahlreichen Unsicherheiten. Ganz so ist es jedoch nicht: Zwar reagieren sie auf neue Risiken, doch Korrekturphasen bleiben kurz. Anschlusskäufe auf tieferem Niveau führen meist zu einer raschen Erholung. Die seit dem «Liberation Day» im April 2025 andauernde Rally setzt sich damit fort. Positiv hervorzuheben ist die zunehmende Breite der Aufwärtsbewegung: Neben Technologie- und Finanzwerten verzeichnen inzwischen auch andere Sektoren steigendes Anlegerinteresse. Zunehmend rücken zudem kleine und mittelgrosse Unternehmen in den Fokus, die über Jahre hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben sind und im Vergleich zu den IT-Hochfliegern günstiger bewertet erscheinen. Ihre zyklische Ausrichtung deutet auf ein gewisses Vertrauen der Marktteilnehmenden in die Konjunktur hin.
Die positiven Perspektiven für Aktien basieren auf mehreren Faktoren: technologischen Fortschritten (insbesondere durch KI), erwarteten Zinssenkungen in den USA, fiskalpolitischen Impulsen und einer insgesamt soliden Wirtschaftsentwicklung. Gegenargumente sind die teils hohen Bewertungen, konjunkturelle Unsicherheiten und geopolitische Risiken. In der Wahrnehmung der Anlegerinnen und Anleger überwiegen derzeit jedoch die unterstützenden Aspekte, was sich in der freundlichen Börsenentwicklung widerspiegelt. Die bevorstehende Berichtssaison zum vierten Quartal wird zeigen, wie gut die Unternehmen mit dem anspruchsvollen Umfeld umgehen und ob die hohen Bewertungen durch steigende Gewinne gerechtfertigt sind.
Performance Dezember 2025 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF
Devisenmärkte
Trotz der jüngsten geopolitischen Spannungen blieb der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken gering, obwohl die Nachfrage nach sicheren Häfen eigentlich zunehmen müsste. Offenbar reicht die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen derzeit aus, um Umschichtungen in den Franken unattraktiv zu machen. Zudem nähern sich die Zinssenkungszyklen in vielen Ländern ihrem Ende, was diesen Effekt verstärkt. Selbst in den USA werden nur noch zwei weitere Zinssenkungen erwartet, wodurch das Abwertungspotenzial des US-Dollars gegenüber dem Franken begrenzt bleibt.
Der japanische Yen sollte eigentlich von den jüngsten Zinserhöhungen und der soliden Konjunktur profitieren. Auch die höheren Inflationsraten sprechen für eine straffere Geldpolitik. Doch derzeit überwiegt bei Investorinnen und Investoren offenbar die Sorge über die hohe Staatsverschuldung und die geplanten Konjunkturprogramme. Eine nachhaltige Erholung der japanischen Währung dürfte daher noch auf sich warten lassen.
Performance Dezember 2025 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF
Übrige Anlagekategorien
Der Ölpreis wird derzeit primär von geopolitischen Faktoren beeinflusst. Die jüngsten Ereignisse im Iran haben die Notierungen deutlich steigen lassen. Das Land zählt zu den grössten Produzenten weltweit und verfügt über immense Reserven. Mittelfristig könnten jedoch ein möglicher Waffenstillstand in der Ukraine sowie die Absicht der OPEC+, die Förderkapazitäten zu erhöhen, das Angebot ausweiten und die Preise dämpfen. Auch zusätzliche Fördermengen aus Venezuela wären langfristig denkbar. Da gleichzeitg das globale Wachstum verhalten bleibt, rechnen wir nicht mit dauerhaft höheren Ölpreisen.
Der Goldpreis steigt derzeit von Rekord zu Rekord. Bemerkenswert ist dabei seine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten. Ein ungewöhnliches Phänomen, da Gold typischerweise als sicherer Hafen in turbulenten Börsenphasen gesucht wird. Die erhöhte Gleichläufigkeit könnte auf eine stärker spekulative Komponente der jüngsten Preisrally hindeuten: Viele Investorinnen und Investoren setzen offenbar kurzfristig auf Kursgewinne, was die Volatilität erhöht. Diese Entwicklung gilt es mit Vorsicht zu beobachten.
Performance Dezember 2025 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF
Schlussfolgerung
Trotz der Unsicherheiten rund um US-Inflation und Geldpolitik bleiben wir den Märkten gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt und sehen weiterhin attraktive Chancen. Neben strukturellen Faktoren wie einer wirtschaftsfreundlichen Fiskalpolitik sprechen vor allem die solide Konjunktur und das anhaltende Gewinnwachstum der Unternehmen für eine konstruktive Haltung. Entsprechend verzichten wir auf ein Rebalancing der leicht erhöhten Aktienquote und passen stattdessen die taktische Ausrichtung moderat nach oben an.
Als potenzielle Volatilitätstreiber im Januar erwarten wir die Diskussion um die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell, die anhaltende Budgetdebatte in den USA (erste Übergangsmassnahmen laufen Ende Monat aus) sowie das Urteil des Supreme Court zur Rechtmässigkeit der US-Zölle. Entsprechend bleibt das Umfeld volatil. Umso wichtiger ist es, auf eine breit diversifizierte Portfoliostruktur zu setzen, bei der renditestarke Anlageklassen wie Aktien und Immobilien durch konservativere Komponenten wie Obligationen und Gold ergänzt werden.
Beschlüsse
Es wurden folgende Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen:
- Erhöhung der Aktien Schweiz und USA zulasten der Liquidität
Taktische Ausrichtung
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