Markteinschätzung
Der koordinierte Militärschlag der USA und Israels gegen den Iran hat zu einer weiteren Eskalation der Lage im Nahen Osten geführt. Iran reagierte umgehend und griff seinerseits militärische Ziele in Israel sowie in anderen Staaten mit enger Anbindung an die USA an. Die kriegerischen Auseinandersetzungen dauern bis heute an, und ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Offenbar wollen die USA und Israel das in Iran regierende Mullah-Regime endgültig entmachten. Weitergehende offizielle Zielsetzungen wurden nicht kommuniziert.
Die Finanzmärkte haben relativ bedächtig auf den Konflikt reagiert. Die Kurseinbussen an den Aktienmärkten blieben vor allem in den USA begrenzt. Offenbar dominierte die Einschätzung eines raschen Endes der kriegerischen Handlungen sowie eines nur begrenzten wirtschaftlichen und finanziellen Schadens. Klassische sichere Häfen wie der Schweizer Franken, der US-Dollar und Gold wurden von verunsicherten Anlegerinnen und Anlegern stark nachgefragt und haben sich preislich verteuert. Beim Gold setzten anschliessend Gewinnmitnahmen ein.
Auffällig war, dass sich der Aufwertungsdruck auf den Schweizer Franken im Laufe des Montags zunehmend abschwächte. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Umstand mit einer Aussage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zusammenhängt, im Bedarfsfall an den Devisenmärkten zu intervenieren. Sie riskiert damit zwar, von den USA als Devisenmarktmanipulator bezeichnet zu werden. Doch offenbar wurde bereits im letzten Herbst eine Übereinkunft mit den USA getroffen, wonach sie politisch motivierten Aufwertungsdruck bekämpfen darf, sofern es nicht um unlautere wirtschaftliche Vorteile geht.
Einen deutlichen Preisanstieg erfährt momentan der Ölpreis. Die Märkte sorgen sich weniger um mögliche Produktionsausfälle des Irans, sondern mehr um Störungen wichtiger Transportwege. Die Meerenge von Hormus, welche den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet, ist ein zentraler Knotenpunkt, über den rund 20 % des weltweiten Öl- und Gasbedarfs transportiert werden. Eine vollständige oder teilweise Sperrung könnte die Versorgung empfindlich stören. Beruhigend wirkte hier die jüngste Ankündigung von US-Präsident Trump, dass die USA Öltanker militärisch eskortieren wollen.
Die erhöhten Notierungen für Energieträger wie Erdöl und Gas beeinflussen die Inflationserwartungen der Märkte und haben weltweit zu deutlich steigenden Renditen geführt. Spiegelbildlich sind die Obligationenpreise unter Druck geraten und konnten damit ihre klassische Rolle als Portfoliostabilisator in Marktphasen erhöhter Nervosität nur eingeschränkt erfüllen. Mit der Erwartung möglicherweise steigender Inflationsraten hat sich auch die Einschätzung baldiger Zinssenkungen der US-Notenbank zeitlich nach hinten verschoben.
Wie immer in solchen Marktphasen gilt, den bewährten Grundsätzen erfolgreicher Anleger treu zu bleiben: Der eigenen Anlagestrategie folgen, Emotionen kontrollieren und keine panischen Handlungen durchführen. Eine ausreichend breite Diversifikation des Portfolios dämpft Verluste einer Anlageklasse durch Gewinne anderer. So haben wir bereits früher auf die Vorteile von Rohstoffen als Absicherung bei geopolitischen Schocks hingewiesen.
Unsererseits gehen wir aktuell davon aus, dass die Ereignisse nicht das Potenzial für eine nachhaltige Trendumkehr an den Finanzmärkten besitzen. Die anziehende Wachstumsdynamik der globalen Wirtschaft sollte nicht gefährdet sein, und die erhöhten Energiepreise werden vermutlich nur vorübergehend inflationstreibend wirken. Möglicherweise wird es in einzelnen Fällen zu einer vorsichtigeren Haltung der Notenbanken kommen, doch auch dies dürfte die positive Sichtweise auf Aktien und Obligationenmärkte nicht fundamental in Frage stellen.
Die Rohstoffpreise, insbesondere für Energieträger, könnten nach einem Ende des Konflikts zwar nachgeben, jedoch auf einem gegenüber Jahresbeginn erhöhten Niveau verharren. Diese Risikoprämie spiegelt die anhaltende Instabilität in den Hauptförderregionen wider. Gold dürfte künftig wieder stärker seine Funktion als sicherer Hafen erfüllen und weniger vom Einfluss kurzfristig spekulativer Gelder geprägt sein. Die jüngsten Aussagen der SNB werden voraussichtlich nachwirken und das Aufwertungspotenzial des Frankens auch weiterhin begrenzen.