Aargauer Konjunkturbarometer
Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, bleibt im September gegenüber dem Vormonat unverändert bei 105,8 Punkten. Positive Impulse liefern das Geschäftsklima (Stellenausschreibungen), Medienresonanz und die Fahrzeugverkäufe. Aussenhandel sowie Logistik und Verkehr entwickeln sich dagegen schwächer. Der Swiss Index sinkt um 3,4% beziehungsweise 3,6 Punkte auf 101,9 Punkte. Beide Indikatoren liegen weiterhin über ihrem langfristigen Durchschnitt von 100 Punkten.
Aargau behauptet seine überdurchschnittliche Dynamik
Der Aufwärtstrend des Aargauer Konjunkturbarometers legt im September eine Pause ein. Mit 105,8 Punkten bleibt der Index jedoch auf einem Niveau, das eine im historischen Vergleich überdurchschnittliche Wachstumsdynamik signalisiert. Gegenüber dem Vorjahresmonat beträgt die Differenz 10,4 Punkte. Gegenüber dem Swiss Index öffnet sich ein Abstand von 3,9 Punkten. Dazu passen insbesondere die günstigere Entwicklung der Aargauer Medienkomponente – mit weniger negativen Wirtschaftsnachrichten – und der geringere Rückgang bei Logistik und Verkehr.
Industrie wächst weiter, Preisdruck nimmt zu
Die Industriekomponente des Barometers gibt im September leicht nach. Mit einem Gewicht von 22,5% bleibt sie die bedeutendste Komponente des Aargauer Index; im Swiss Index beträgt ihr Anteil 15%. Hier werden in beiden Indizes die gleichen Daten verwendet. Die Umfrage von procure.ch und UBS zeigt weiterhin eine Expansion der Schweizer Industrie. Der Industrie-PMI sinkt im September um 1,8 auf 55,3 Punkte, liegt damit aber den siebten Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Produktion wächst langsamer, während die Auftragsbestände mit 57,0 Punkten praktisch unverändert bleiben. Gleichzeitig steigen die Kosten. Unternehmen berichten von teureren elektronischen Komponenten und Rohstoffen sowie teilweise längeren Lieferfristen. Im Dienstleistungssektor verbessert sich der PMI von 58,3 auf 59,8 Punkte. Auch dort ziehen die Preiskomponenten an.
Das internationale Industrieumfeld bleibt unterstützend. Der von der AKB berechnete exportgewichtete internationale PMI erreicht 52,9 Punkte (Vormonat: 52,4). Der J.P. Morgan und S&P Global PMI steigt von 52,3 auf 53,0 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit Februar 2022.
Aussenhandel korrigiert nach kräftigem Anstieg
Die Aussenhandelskomponente verliert gegenüber dem Vormonat 3,5%. Sie basiert auf gesamtschweizerischen Daten und ist im Aargauer Barometer mit 10% stärker gewichtet als im Swiss Index mit 7,5%. Die im September veröffentlichten Zahlen des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit beziehen sich auf August. Nach dem kräftigen Anstieg im Juli gehen die Schweizer Exporte um 17,2% zurück. Die Importe sinken um 11,6%. Teuerungsbereinigt lag der Rückgang bei 8,6% (Exporte) beziehungsweis bei 3,1% (Importe). Der Handelsbilanzüberschuss beträgt 5,6 Milliarden Franken. Regional betrachtet waren alle drei bedeutenden Absatzräume von rückläufigen Exporten betroffen. Nordamerika erfuhr einen Rückgang von –31,0%, Asien von –18,9% und Europa von –9,1%. Entscheidend für den Exportrückgang ist die chemisch-pharmazeutische Industrie. Ohne diese Warengruppe entwickeln sich die Ausfuhren insgesamt positiv.
Logistik verliert an Schwung
Die Komponente Logistik und Verkehr sinkt im Aargauer Barometer um 1,1%. Im Swiss Index fällt der Rückgang aufgrund des höheren Vergleichsniveaus (Basiseffekt) mit 3,4% deutlicher aus. Die vorliegenden Schwerverkehrsauswertungen für September zeigen gegenüber der jeweiligen Vorjahresvergleichsperiode einen Rückgang von 0,9% im Aargau und von 0,7% in der Schweiz.
In den ersten drei Quartalen dieses Jahres tendiert der Schwerverkehr im Aargau deutlich über dem Vorjahr (+2%). Eine Auswertung von 32 ausgewählten ASTRA-Zählstellen in der Schweiz zeigt: Der Schwerverkehr nahm in den Kalenderwochen 1–39 des Jahres 2026 gegenüber der Vorjahresperiode um 1,2% zu. Gleichzeitig ging der Verkehr leichter Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen um 0,5% zurück. Insgesamt verringerte sich das Verkehrsaufkommen um 0,4%. Für die Analyse wertete die AKB rund 452,5 Millionen Fahrzeugbewegungen aus. Berücksichtigt wurden ausschliesslich Wochen, für die an der jeweiligen Zählstelle Daten aus beiden Jahren vorlagen
Die Immatrikulationen schwerer Nutzfahrzeuge liefern derzeit keinen zusätzlichen Wachstumsimpuls: Seit Jahresbeginn liegen sie schweizweit 0,4% unter der entsprechenden Vorjahresperiode.
International bleibt die Transportnachfrage hingegen robust. Gemäss IATA nimmt die weltweite Luftfrachtnachfrage im August gegenüber dem Vorjahr um 4,4% zu. Bei nahezu unveränderter Kapazität steigt die Auslastung. Höhere Treibstoffkosten belasten jedoch die Fluggesellschaften. Damit zeigt sich auch im Transportbereich ein gemischtes Bild aus wachsender internationaler Nachfrage und zunehmendem Kostendruck.
Vertrauen schwächer, Automarkt belebt sich
Die Komponente Konsumenten- und Investorenvertrauen geht gegenüber dem Vormonat zurück. Das Investorenvertrauen sinkt um rund 16%, das Konsumentenvertrauen geht um 1,2% zurück. Anleger und Haushalte beurteilen die Lage damit vorsichtiger.
Ein positives Signal kommt vom Automarkt. Die Personenwagenverkäufe liegen 9,6% über dem Vorjahresmonat. Im vorhergehenden Berichtsstand hatte noch ein Minus von 0,6% resultiert. Immerhin: In den ersten drei Quartalen 2026 wurden 2,7% mehr Autos verkauft als in derselben Vorjahresperiode.
Die Geschäftsklimakomponente auf Basis des Stellenangebots verändert sich im Monatsvergleich leicht nach oben. Im Aargau waren saisonbereinigt gegenüber Vormonat 5% mehr Stellen ausgeschrieben (gegenüber Vorjahr: +0,7%). Schweizweit betrug der Zuwachs 2,4% (gegenüber Vorjahr: -0,6%). Berücksichtigt werden für diese Analysen mehrere grosse Stellenplattformen wie z.B. von job-room.ch.
Finanzmärkte werden unruhiger
Die Finanzmarktkomponente gibt im September nach. Gleichzeitig steigt das separat berechnete Volatilitätsmass gegenüber dem Vormonat markant. Die Marktschwankungen nehmen somit deutlich zu. Steigende Energiepreise und höhere Anleiherenditen prägen das internationale Marktumfeld. Staatsanleihen verlieren deutlich an Wert, während auch die Aktienmärkte insgesamt unter Druck stehen. Höhere Finanzierungskosten und anhaltende Inflationsrisiken erschweren die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Investoren. Die Finanzmarktkomponente ist im Aargauer Barometer mit 7,5% deutlich geringer gewichtet als im Swiss Index mit 17,5%.
Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:
Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.
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