Aktuelle Marktübersicht
Marktumfeld
Geldpolitisch haben die massgebenden Notenbanken synchron wie selten in der Vergangenheit ihren Leitzins im Monat September angehoben. Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Fed und die Bank of Japan haben ihre Geldpolitik verschärft. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) liess ihren Leitzins hingegen unverändert bei 0 %, obwohl die Inflation aufgrund der höheren Energiepreise gestiegen ist. Nach Einschätzung der SNB hat sich der mittelfristige Inflationsdruck jedoch kaum verändert, weshalb sie ihre Geldpolitik als angemessen betrachtet.
Der deutliche Renditeanstieg entlang der ganzen Zinskurve hat in vielerlei Hinsicht Folgen. Die Diskontierungsrate bei Aktien steigt, was zukünftige Gewinne heute weniger Wert sein lässt. Gleichzeitig sinkt aufgrund der höheren Renditen von Anleihen die Aktienrisikoprämie. Die Finanzierungskosten für Unternehmen und Staaten steigen und Private zahlen mehr für Kredite und Hypotheken. Die wirtschaftliche Stärke ist derzeit jedoch noch ausreichend, um die damit verbundenen Belastungen zu kompensieren. Das ist der Hauptgrund, weshalb insbesondere die Aktienmärkte nicht stärker negativ auf diese Entwicklung reagieren. Die Notenbanken können momentan auf die höheren Inflationsraten reagieren, ohne dabei die Anlegerinnen und Anleger zu verunsichern.
Die wirtschaftliche Lage präsentiert sich weiterhin sehr robust. Fiskalimpulse in Kombination mit dem laufenden Investitionszyklus entlang der KI-Wertschöpfung bilden einen Gegenpol zu restriktiveren Notenbanken, steigenden Energiepreisen und höheren Zinsen. Allerdings könnten diese Belastungsfaktoren zunehmend das private Konsumverhalten negativ beeinflussen. Wenn die Kosten für Miete und Benzin steigen, muss an anderer Stelle gespart werden. Vor allem, wenn sich die Löhne aufgrund eines ausgewogenen Arbeitsmarktes nur wenig nach oben bewegen. Es bleibt die Hoffnung auf eine baldige Entspannung an der geopolitischen Front und damit verbunden eine Entlastung der privaten Haushaltsbudgets durch tiefere Benzin- und Energiepreise.
Obligationenmärkte
Die internationalen Obligationenmärkte standen in den letzten Wochen aufgrund steigender Renditen unter erheblichem Preisdruck. Dass die Verluste nicht stärker ausgefallen sind, ist in erster Linie dem hohen Carry zu verdanken. Gemeint ist damit die laufende Verzinsung, welche die Anleihen abwerfen und die derzeit auf einem vergleichsweise hohen Niveau liegt. Im Gegensatz zum Krisenjahr 2022, als ein faktisches Nullzinsumfeld herrschte, befinden sich die Renditen heute teilweise auf Mehrjahreshöchstständen. Die höheren laufenden Erträge federn damit einen Teil der kursbedingten Verluste ab und stützen den Gesamtertrag der festverzinslichen Papiere.
Die Gründe für den jüngsten Renditeanstieg sind sehr vielfältig: Neben erhöhten Inflationsrisiken und restriktiv agierender Notenbanken ist es das zunehmende Emissionsangebot, das für höhere Renditen im Sinne einer Investorenentschädigung und spiegelbildlich tiefere Obligationenpreise sorgt. Neben dem wachsenden staatlichen Kapitalbedarf kommt eine steigende Emissionstätigkeit im Zusammenhang mit der Finanzierung des Aufbaus der KI-Infrastruktur dazu. Gleichzeitig bauen die Notenbanken ihre Bilanzen ab und treten als Verkäufer auf, was das Angebot an Anleihen zusätzlich vergrössert. Auch die «Stützungskäufe» des US-Finanzministeriums verpuffen mehr oder weniger wirkungslos, da sie nur die Symptome und nicht die Ursache einer stetig steigenden Verschuldung bekämpfen.
Glaubt man den Terminmärkten, sind weitere Zinsanhebungen nur eine Frage der Zeit. Allerdings wäre deren Wirkung begrenzt, da es sich in erster Linie um einen Angebotsschock beim Öl handelt, der die Inflation treibt. Höhere Zinsen können diesen nicht lösen, eine Lösung kann im Endeffekt nur über die Angebotsseite oder politische Massnahmen erfolgen. Zudem sind bisher Zweitrundeneffekte weitgehend ausgeblieben. Davon zeugt die moderate Entwicklung der Kerninflationsraten, welche die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammern.
Performance September 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Aktienmärkte
Die weiter steigenden Renditen spüren zunehmend auch die Aktienmärkte. Die Anleihen werden mit ihrer hohen Verzinsung zur Anlagealternative für Investorinnen und Investoren. Die US-Aktienrisikoprämie gegenüber einer zehnjährigen US-Staatsanleihe ist beispielsweise auf das tiefste Niveau seit rund 25 Jahren gefallen. Allerdings werden die Beteiligungspapiere und ihre positive Gewinnentwicklung weiterhin von einer robusten Realwirtschaft gestützt. Zudem gibt es innerhalb der Sektoren auch Profiteure der höheren Zinsen. Dazu gehören Finanzunternehmen sowie defensive Branchen wie Gesundheit und Basiskonsum. Eine tiefe Verschuldung und hohe freie Cashflows zeichnen viele dieser Unternehmen aus und machen sie gegenüber steigenden Renditen weniger anfällig.
Der aktuelle Investitionszyklus im KI-Bereich erfasst auch Bereiche ausserhalb der sogenannten Hyperscaler. Neben Halbleiterproduzenten profitieren auch Unternehmen in den Bereichen Stromversorgung, Netzinfrastruktur, Industrieausrüstung und Baukapazitäten. Damit lässt sich erklären, weshalb die Wirtschaft auch in der Breite von den aktuellen Milliardeninvestitionen profitiert. Die in den nächsten Wochen beginnende Berichtssaison zu den Drittquartalsergebnissen dürfte diesen Effekt auch in der Gewinnentwicklung widerspiegeln.
Performance September 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Devisenmärkte
Der US-Dollar und auch andere Währungen neigen im Moment nach wie vor zur Stärke. Die Hintergründe sind einerseits die hohe Verzinsung, die renditesuchende Anleger anlockt, andererseits beim US-Dollar der Reservewährungscharakter, der in Zeiten erhöhter Unsicherheit wieder vermehrt nachgefragt wird. Da sich die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Geldpolitik der US-Notenbank von Leitzinssenkungen zu Beginn des Jahres hin zu Leitzinserhöhungen in den kommenden Monaten verändert haben, dürfte der Renditevorteil und damit die Nachfrage nach US-Dollar vorderhand voraussichtlich hoch bleiben.
Performance September 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Übrige Anlagekategorien
Die Entwicklung der Rohstoffmärkte hängt immer noch stark von der geopolitischen Lage und damit insbesondere von der Entwicklung des Ölpreises ab. Eine zwischenzeitliche Verschärfung der Krise hat in den letzten Wochen erneut für einen Preisanstieg gesorgt.
Vor allem bei den Öldestillaten wie Benzin, Diesel und Heizöl, aber auch beim Gas ist eine ausgeprägte Mangellage spürbar. Grund dafür sind vor allem die beschränkten Raffineriekapazitäten. Auch bei abnehmenden geopolitischen Risiken dürfte sich deshalb keine rasche Entspannung ergeben, sodass die hohe Volatilität des «Schwarzen Goldes» vorerst bestehen bleibt.
Performance September 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Schlussfolgerung
In den kommenden Wochen könnte das gute Konjunkturumfeld zumindest temporär von erhöhten Unsicherheiten überlagert werden. Dazu gehören die Zwischenwahlen in den USA zu Beginn des Monats November, aber auch die wenig fruchtbaren diplomatischen Versuche, den Iran-Konflikt auf einer stabilen Basis zu entschärfen. Dazu gesellt sich der momentane Zinserhöhungszyklus der Notenbanken, ausgelöst durch erhöhte Energiepreise und damit verbundene Inflationsrisiken. Und nicht zu vergessen ist die anhaltende Skepsis gegenüber Staaten und KI-Unternehmen hinsichtlich ihrer grosszügigen Schuldenaufnahme.
Diese erhöhte Risikolage muss aber nicht gleichzeitig das Ende steigender Aktienkurse bedeuten. Solange sich das Konjunkturumfeld weiterhin positiv präsentiert, das Gewinnwachstum der Unternehmen dynamisch bleibt und der Arbeitsmarkt robust ist, können auch die Aktienmärkte weiter steigen.
Taktische Ausrichtung
Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.
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