Aargauer Konjunkturbarometer

Industrie überwindet Wachstumsschwelle
Marktberichte | 16. April 2026

Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, setzt seinen Erholungskurs im März fort und legt um 0,6% auf 97,4 Punkte zu. Damit gewinnt der regionale Index zum zweiten Mal in Folge an Boden. Der Swiss Index hingegen gibt im Berichtsmonat um 1,5% auf 95,5 Punkte nach – belastet durch die stärkere Gewichtung der Finanzmärkte.

Industrie und Logistik als Wachstumstreiber

Die grösste positive Überraschung lieferte im März die Industrie-Komponente. Sie legte im Monatsvergleich um 1,2% auf 100,0 Punkte zu und erreichte damit exakt den historischen Durchschnittswert – ein Signal, das auf eine Normalisierung der industriellen Aktivität hindeutet. Untermauert wird dieser Trend durch den schweizerischen Einkaufsmanagerindex (PMI), der im März erstmals seit über drei Jahren die Wachstumsschwelle von 50 Punkten überschritt. Auch der Dienstleistungs-PMI legte weiter zu und notierte bei 57,2 Punkten – ein klares Zeichen für eine solide Konjunktur im Schweizer Dienstleistungssektor.

In den USA und in der Eurozone waren die Industrie-PMIs in den letzten beiden Monaten ebenfalls von einer positiveren Dynamik geprägt. Die Verbesserung im Schweizer PMI ist unter anderem auf gestiegene Lieferfristen zurückzuführen, die üblicherweise eine höhere Nachfrage widerspiegeln und daher positiv in den Indikator einfliessen. Angesichts des Konflikts im Nahen Osten dürften die längeren Lieferfristen gemäss procure.ch, dem Schweizer Fachverband für Einkauf und Supply Management, jedoch eher durch Störungen in den Lieferketten bedingt sein. Würde man den Gesamtindikator ohne die Lieferfristen berechnen, also ausschliesslich anhand der übrigen vier Subkomponenten, läge er zwar leicht tiefer, aber mit 51,5 Punkten immer noch über der Wachstumsschwelle.

Auch exportgewichteter Einkaufsmanager-Index über 50 Punkten

Auf globaler Ebene notierte der J.P. Morgan Global Manufacturing PMI bei 51,3 Punkten, leicht unter dem 44-Monats-Hoch vom Februar, aber weiterhin über der neutralen Marke von 50 Punkten – den achten Monat in Folge. Der von der AKB errechnete exportgewichtete internationale Einkaufsmanagerindex (PMI) lag bei 51,5 Punkten. Die vier grössten Industrieregionen – China, die USA, die Eurozone und Japan – verzeichneten allesamt Produktionszuwächse, wobei die USA und die Eurozone sogar leichte Beschleunigungen zeigten.

Schwerverkehr reflektiert positive Bau-Konjunktur

Gleichzeitig glänzte die Komponente Logistik & Verkehr erneut mit einem Plus von 1,0% auf 104,5 Punkte. Der Schwerverkehr legte im Jahresvergleich im Kanton Aargau um 3,0% zu und bestätigt damit die anhaltend hohe Transportnachfrage. Dies ist als Spiegelbild der robusten Baukonjunktur zu werten. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) rechnet in diesem Jahr mit einem Anstieg der realen Bauinvestitionen um 1,6%.

Fahrzeugmarkt: Nutzfahrzeuge legen weiter zu

Die Fahrzeugverkäufe setzten ihren positiven Trend fort: Die Autoverkäufe lagen gemäss den Originaldaten von Auto Schweiz im Jahresvergleich 7,2% im Plus. Besonders dynamisch entwickeln sich im Jahresverlauf erneut die schweren Nutzfahrzeuge mit einem Zuwachs von 15,6% gegenüber der Vorjahresperiode. Dies ist ein wichtiger konjunktureller Frühindikator. 

Arbeitsmarkt: Offene Stellen deutlich über dem Vorjahr

Das Geschäftsklima, abgeleitet aus dem aktuellen Stellenangebot, verbesserte sich ebenfalls. Bemerkenswert ist der Anstieg der offenen Stellen um 12,9% im Jahresvergleich – ein starkes Signal für eine anhaltend robuste Arbeitskräftenachfrage im Kanton Aargau.

Gegenwind von den Finanzmärkten

Die grösste Bremswirkung auf den Konjunkturbarometer ging im März einmal mehr von den Finanzmärkten und dem Vertrauensklima aus. Die Volatilität an den wichtigsten Finanzmärkten stieg im Monatsvergleich um 18,8%, während das Investorenvertrauen gemessen an Internet-Daten um 20,6% einbrach.

Die Aktienmärkte gaben im März von ihren hohen Bewertungen nach. In den USA fiel der S&P 500 von rund 6’880 auf etwa 6’530 Punkte, der Nasdaq schwankte zeitweise unter die 21’000er‑Marke. In Europa fiel der Druck noch stärker aus. Der DAX rutschte von knapp 24’600 auf rund 22’680 Punkte ab. Brent-Öl erlebte infolge der Eskalation des Nahostkonflikts einen markanten Preissprung von rund 78 USD auf Spitzenwerte über 115 USD je Barrel. Dieser Ölpreisschock schürte neue Inflations- und Konjunktursorgen.

Aussenhandel: Wechselbad hält an

Die Schweizer Exporte konnten im Februar nicht an die positive Entwicklung des Januars anknüpfen und gingen saisonbereinigt um 2,7% zurück. Unter Berücksichtigung der Preisentwicklung betrug der monatliche Rückgang jedoch nur 0,3%. Importseitig resultierte mit –8,3% der vierte monatliche Rückgang in Serie, wobei der hohe Einbruch praktisch vollständig auf markant gesunkene Einfuhren von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen zurückzuführen war. Allein der Bezug von Arzneiwaren verringerte sich innert Monatsfrist um 1,2 Milliarden Franken. Gleichzeitig nehmen die Sorgen vor Protektionismus zu. Gemäss der PMI-Umfrage von procure.ch rechnet mittlerweile gut ein Drittel der Industrieunternehmen mit einer Zunahme der Handelshemmnisse in den kommenden zwölf Monaten.

Swiss Index gibt nach

Der gesamtschweizerische Swiss Index notierte im März bei 95,5 Punkten und verlor damit im Monatsvergleich 1,5%. Die Differenz zum Aargauer Barometer weitete sich auf 1,9 Punkte aus. Massgeblich für die schwächere Entwicklung des nationalen Indikators ist die höhere Gewichtung der Finanzmärkte (17,5% vs. 10%), während die Industrie (15% vs. 23%) und die Fahrzeugverkäufe (7,5% vs. 10%) im Swiss Index weniger stark ins Gewicht fallen. Gemäss der Methodik kehren beide Indizes früher oder später auf den Wert von 100 Punkten zurück. Die Entwicklung der beiden Indizes sollte sich mit einer Verzögerung von rund drei bis sechs Monaten in den offiziellen Wirtschaftsdaten widerspiegeln.

Konjunkturausblick

Das SECO beziffert das BIP-Wachstum der Schweiz (bereinigt um internationale Sportveranstaltungen) für 2025 auf 1,4%. Für 2026 erwartet die Aargauische Kantonalbank ein leicht schwächeres Wachstum von 1,1%. Die globale Industriekonjunktur zeigt Anzeichen einer nachhaltigen Erholung, doch die Risiken bleiben erheblich. Der Ölpreisschock, die zunehmenden protektionistischen Tendenzen und die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten bilden ein Spannungsfeld, das die weitere Entwicklung massgeblich prägen wird.
Getragen wird diese Stabilisierung vor allem durch eine robuste Binnenkonjunktur. Genau die Hälfte der acht gemessenen Komponenten lieferte im Februar im Vergleich zum Vormonat positive Impulse. Der nationale Swiss Index folgt diesem Trend zwar mit einem Plus von 0,3% auf 94,4 Punkte, verharrt jedoch ganz leicht unter dem Aargauer Niveau.

 

Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:

Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.

 

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