AKB Zins- und Währungsbarometer

Einschätzungen der AKB zu Konjunktur, Zinsumfeld und Währungen
Marktberichte | 15. Mai 2026

Wirtschaft, Inflation und Arbeitsmarkt

Globale konjunkturelle Entwicklungen aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irankrieg leicht tiefer erwartet
  • Stimmungsindikatoren für das Wachstum aufgrund der Unsicherheiten (Zölle, geoplitische Auseinandersetzungen) jüngst vom positiven in den neutralen Bereich gefallen.
  • In den USA sorgen die höheren Ölpreise und die anziehende Inflation trotz relativ stabiler Arbeitsmärkte für eine leichte Eintrübung der Wachstumsaussichten.
  • DIe Wirtschaft in der Eurozone wird aufgrund der verstärkten Energieabhängigkeit durch die Auswirkungen des Irankrieges stärker in Mitleidenschaft gezogen als die USA. Die stimulierende Wirkung der gesprochenen Ausgabenkredite in Deutschland ist schwer abschätzbar.
  • Schweizer Wirtschaftswachstum – dank Rückgang der US-Handelzölle auf 15% – wieder dynamischer. 
    • Negative Auswirkungen werden aufgrund der geringeren Energieabhängigkeit erst mit länger anhaltenden höheren Ölpreisen erwartet.
Inflation aufgrund gestiegener Ölpreise jüngst leicht anziehend  
  • Die höheren Ölpreise müssten allerdings für längere Zeit (mehrere Monate) Bestand haben, damit die Inflationsraten nachhaltig steigen würden.
  • Die US-Inflation wird zusätzlich durch die höheren Importzölle und inländische Kapazitätsengpässe befeuert. Ein Teil dieses Anstiegs könnte aber dank KI-Anwendungen und einer damit steigenden Produktivität gedämpft werden.
  • In der Eurozone dürften steigende Ausgaben für Infrastruktur, Umweltschutz und Verteidigung für zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Inflationsraten sorgen.
  • Die Schweiz bewegt sich dank einer weniger grossen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nach wie vor auf einem tiefen Teuerungsniveau (Teuerung im April 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat bei +0,6%).

AKB-Prognosen Volkswirtschaft

BIP
2025*
BIP
2026*
BIP
2027*
Inflation
2025**
Inflation
2026**
Inflation
2027**
Schweiz 1,2 1,1 1,4 0,2 0,5 0.7
USA 2,2 2,4 2,1 2,7 3,2 2,5
Eurozone 1,4 0,8 1,3 2,1 2,5 2.0
Grossbritannien 1,3 0,8 1,4 3,5 3,0 2.3
Japan 1,1 0,6 0,8 3,2 2,1 1.6
China 5,0 4,3 4,1 0,1 2.0 1.0
Welt 3,1 2,9 3,0

Aktueller Stand: Mai 2026
* Veränderung reales Bruttoinlandprodukt gegenüber Vorjahr (in %)
** Veränderung Konsumentenpreisindex gegenüber Vorjahr (in %)

Zinsen

Kurzfristige CHF-Zinsen: Zinssenkungszyklus nähert sich dem Ende
  • SNB: Aktueller Leitzins seit 19.6.25 auf 0,00%
    • Die Futures-Märkte erwarten bis Ende 2026 keine weiteren Zinsmassnahmen.
    • Die AKB erwartet in den nächsten 12 Monaten ebenfalls keine weiteren Zinsmassnahmen mehr.
  • FED: Aktueller Leitzins seit 10.12.25 auf 3,50%–3,75%
    • US-Notenbank FED im Dilemma zwischen Preisstabilität und Wachstumsimpuls. Situation durch den Irankrieg weiter verschärft. 
    • Der eher überraschende Nachfolger von Jerome Powell, Kevin Warsh, gilt als konsequenter Inflationsbekämpfer, rechnet aber dank KI-bedingten Produktivitätssteigerungen mit abnehmenden Teuerungsraten.
    • Die Futures-Märkte erwarten daher bis Ende 2026 keine weitere Zinsänderung mehr.
  • EZB: Aktueller Leitzins seit 5.6.25 auf 2,00%
    • Die jüngsten Entwicklungen an der Inflationsfront und die Ereignisse im Iran lassen die Futures-Märkte mit Beginn des zweiten Halbjahres eine erste Zinserhöhung zu 25 Basispunkten erwarten. 
Langfristige CHF-Zinsen: «Flucht in Sicherheit» sorgt für ein tiefes inländisches Zinsniveau
  • Langfristzinsen dürften (u.a. aufgrund der Save-Haven-Funktion des CHF) nur sehr moderat ansteigen.

Währungen

Der Franken scheint nach zwischenzeitlichen Devisenmarktinterventionen wieder verstärkt von den Marktkräften getrieben zu sein und setzt seinen graduellen Aufwertungspfad gegenüber den Hauptwährungen fort.

EUR/CHF
Die steigende Inflation sorgt für einen veränderten Fokus der Geldpolitik und damit für die Aussicht auf steigende Leitzinsen, was die Attraktivität des Euros zumindest vorübergehend stärken könnte.

Die hohe Energieabhängigkeit, gedämpfte Wachstumsaussichten sowie eine steigende Verschuldung dürften die europäische Einheitswährung mittelfristig jedoch belasten.

Gleichzeitig bleiben strukturelle und fiskalische Schwächen der Währungsunion bestehen: Eine nachlassende industrielle Wettbewerbsfähigkeit, eine geringe Innovationsdynamik sowie das weiterhin schwache Produktivitätswachstum.

Auch das fragile politische Umfeld in einzelnen Mitgliedstaaten sowie zunehmende Sorgen über die steigende Staatsverschuldung bleiben zentrale Risikofaktoren. Insbesondere die mangelnde Haushaltsdisziplin einzelner Staaten belastet mittelfristig die fiskalische Stabilität der Eurozone.

USD/CHF
  • Die zunehmende Beruhigung der geopolitischen Lage sowie leicht tiefere Rohstoffpreise haben die Nachfrage nach dem US-Dollar wieder abgeschwächt.

  • Strukturelle Belastungsfaktoren rücken dadurch wieder stärker in den Vordergrund. Dazu zählt insbesondere die angespannte Haushaltslage der USA mit hohen Budget- und Leistungsbilanzdefiziten – dem sogenannten Zwillingsdefizit. Eine expansivere Fiskalpolitik in Kombination mit strukturell hohen Staatsausgaben beeinträchtigt zudem das Vertrauen in die langfristige Schuldentragfähigkeit der USA.

  • Zumindest könnte die Aussicht auf tendenziell steigende statt sinkende Leitzinsen aufgrund erhöhter Inflationsraten einer übermässigen Abwertung entgegenwirken.

  • Den Status des US-Dollars als weltweit führende Reservewährung sehen wir mittel- bis langfristig jedoch nicht gefährdet, da entsprechende Regimewechsel in der Regel Jahrzehnte dauern und derzeit keine gleichwertige Alternative mit vergleichbarer Liquidität und Markttiefe erkennbar ist. Dem Euro fehlt es weiterhin an fiskalischer und politischer Integration, während der chinesische Renminbi nach wie vor Kapitalverkehrskontrollen unterliegt.

Grafik mit Entwicklung des Währungsbarometer

Währungsprognosen

Währungs­paar Aktuell* Kurzfristige Tendenz Mittel- bis langfristige Tendenz Kaufkraft­parität (fairer Wert)** Unter­stützung Wider­stand
EUR/CHF 0.9165 seitwärts leicht sinkend 0.94 (Trend: weiter abnehmend) 0.9100/0.9020 ­0.9275/0.9380
USD/CHF 0.7825 seitwärts leicht sinkend 0.78 (Trend: weiter abnehmend) 0.7760/0.7640  0.7930/0.8030

* * Kurs vom 13.05.2026 / 16.30 Uhr
** Ermittlung des fairen Werts auf Basis der Kaufkraftparität, berechnet anhand der Konsumentenpreisentwicklung der letzten 15 Jahre (Stand per 11.03.2026)


Kommende Zentralbanksitzungen

Nächste Sitzung Weitere Termine
EZB-Sitzung (EUR-Zinsen) 11.6.2026 23.7.2026 / 10.9.2026
FED-Sitzung (USD-Zinsen) 17.6.2026 29.7.2026 / 16.9.2026
SNB-Sitzung (CHF-Zinsen) 18.6.2026 24.9.2026 / 10.12.2026



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