Aktuelle Marktübersicht
Marktumfeld
Die Geopolitik hat die Finanzmärkte weiterhin fest im Griff. Die aktuelle Waffenruhe und die Hoffnung auf weitere Verhandlungen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fronten äusserst verhärtet sind. Auch die zum Waffenstillstand gehörende Öffnung der Strasse von Hormus hat vorwiegend symbolischen Charakter: Nur eine Handvoll Schiffe wagt die Durchfahrt und entrichtet dafür hohe Schutzgelder an den Iran. Gleichzeitig blockieren die USA ihrerseits die Meerenge, um mögliche Öleinnahmen Irans zu unterbinden. Dadurch verschärft sich die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter, zunehmend auch spürbar im Alltag.
Selbst wenn sich die Transportwege normalisieren, bleibt vorübergehend eine Versorgungslücke bestehen. Es dürfte Monate dauern, bis sich die Lage stabilisiert. Hinzu kommen Schäden an der Energieinfrastruktur, die zunächst behoben werden müssen. Bereits jetzt zeigen sich vielerorts Engpässe bei Benzin, Kerosin usw. Auch Düngemittel sowie industrielle Rohstoffe wie Helium (relevant für die Halbleiterproduktion) haben sich deutlich verteuert.
Die jüngsten Inflationsdaten zeigen infolge des Nahostkonflikts einen starken Anstieg. Dies rückt die Notenbanken in den Fokus. Sie befürchten mit zunehmender Dauer der Krise Zweitrundeneffekte, also eine Übertragung höherer Inputkosten auf Güter und Dienstleistungen. Gleichzeitig könnten steigende Preise die Konsum- und Investitionsbereitschaft dämpfen, was Wachstum und Unternehmensgewinne belastet. Entsprechend hat das Risiko einer Stagflation zugenommen.
Die Finanzmärkte zeigen sich von den jüngsten Ereignissen nur teilweise beeindruckt und haben sich nach temporären Rücksetzern erholt. Hoffnung auf eine Einigung der Konfliktparteien sowie ein gewisser Gewöhnungseffekt stützen die Stimmung. Angesichts der fragilen geopolitischen Lage bleibt der Kursverlauf, insbesondere an den Aktienmärkten, jedoch anfällig für erneute Korrekturen.
Obligationenmärkte
Die Entwicklung an den Obligationenmärkten wird derzeit vor allem von Inflationssorgen geprägt. Diese äussern sich in steigenden Renditen über das gesamte Laufzeitenspektrum, was spiegelbildlich zu sinkenden Anleihekursen führt. Dadurch bleibt die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen hoch; letztere können ihre Rolle als Diversifikator aktuell nur eingeschränkt erfüllen.
Immerhin haben sich die Inflationserwartungen zuletzt etwas abgeschwächt. Auch die Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel) bleibt relativ stabil, was darauf hindeutet, dass Zweitrundeneffekte bislang begrenzt sind. Entsprechend hat sich der Druck auf die Notenbanken, die Zinsen zu erhöhen, reduziert. Die zuvor an den Terminmärkten eingepreisten Zinsschritte erscheinen rückblickend überzogen. Zudem wirken mehrere Faktoren inflationsdämpfend: ein abkühlender Arbeitsmarkt, nachlassender Lohndruck, negative Output-Gaps sowie gedämpfte Wachstums- und Nachfrageaussichten.
Bei ihren jüngsten Lagebeurteilungen signalisierten die grossen Notenbanken weitgehend Einigkeit: Die Unsicherheit ist zu hoch für präzise geldpolitische Schritte. Während die Inflationserwartungen nach oben und die Wachstumsaussichten nach unten revidiert wurden, sei es für konkrete Massnahmen noch zu früh. Gleichzeitig betonen die Währungshüter ihre Wachsamkeit. Die Erfahrung aus dem Jahr 2022 zeigt, dass ein zu spätes Handeln zu einer Verankerung höherer Inflationserwartungen führen kann.
Performance März 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Aktienmärkte
Die Aktienmärkte werden aktuell stark von der sich laufend verändernden Nachrichtenlage im Nahen Osten beeinflusst. Trotz hoher Volatilität halten sich die Verluste seit der Eskalation in Grenzen. Auf Jahressicht notiert sogar eine Mehrheit der Märkte, gestützt durch den starken Jahresauftakt und bislang stabilen Gewinnerwartungen, im positiven Bereich. Letzteres könnte sich jedoch mit zunehmender Dauer der Krise ändern. Steigende Inputkosten und höhere Inflation dürften sich zunehmend negativ auf die Realwirtschaft auswirken, da sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Unternehmen ihre Ausgaben reduzieren.
Entsprechend richtet sich der Fokus der Anlegerinnen und Anleger auf die beginnende Berichtssaison. Diese sollte Hinweise liefern, wie Unternehmen die weitere Geschäftsentwicklung unter den erschwerten Rahmenbedingungen einschätzen. Die Erstquartalsergebnisse dürften die Auswirkungen der Krise erst begrenzt widerspiegeln, weshalb vor allem die Ausblicke entscheidend sind. Sollte es zu breiteren Gewinnrevisionen kommen, wäre dies ein Belastungsfaktor für die Märkte. In diesem Fall müssten die aktuell ambitionierten Bewertungen durch fallende Kurse angepasst werden.
Performance März 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Devisenmärkte
Überraschend ist die Entwicklung des Schweizer Frankens: Nach einer anfänglichen Aufwertung hat der Druck deutlich nachgelassen. Dies ist vor allem auf die Interventionsandrohungen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zurückzuführen. Ob tatsächlich eingegriffen wurde, dürfte sich erst mit Verzögerung zeigen. Im Falle einer Deeskalation ist jedoch mit einer erneuten Aufwertung des Frankens zu rechnen, insbesondere wenn die SNB den Marktkräften wieder mehr Raum lässt und zu ihrer langfristigen Strategie einer moderaten Aufwertung im Einklang mit der Inflationsdifferenz zurückkehrt.
Der US-Dollar hat gegenüber den meisten Währungen deutlich zugelegt. Neben seiner Funktion als sicherer Hafen profitiert er von gestiegenen Rohstoffpreisen, die überwiegend in US-Dollar fakturiert werden und damit die Nachfrage erhöhen. Zudem preisen die Terminmärkte derzeit keine weiteren Zinssenkungen der US-Notenbank mehr ein, wodurch der Renditevorteil bestehen bleibt. Diese Stärke könnte sich jedoch bei einer Beruhigung der Lage rasch umkehren.
Performance März 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Übrige Anlagekategorien
Der Anstieg an den Rohstoffmärkten wird primär durch höhere Energiepreise (Öl, Gas, Heizöl, Benzin) getrieben. Auch Agrarrohstoffe wie Kakao, Soja oder Baumwolle haben sich verteuert, was insbesondere auf gestiegene Düngemittelpreise zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu stehen Industriemetalle wie Kupfer oder Nickel unter Druck, da sich die Konjunkturaussichten eingetrübt haben. Angesichts der hohen Unsicherheit können sich diese Trends jedoch rasch umkehren, weshalb gezielte Spekulationen auf einzelne Rohstoffe derzeit wenig attraktiv erscheinen.
Die Schwäche des Goldpreises überrascht auf den ersten Blick. Als klassischer sicherer Hafen kann Gold derzeit nicht von der Unsicherheit profitieren. Hauptgründe sind die gestiegenen Renditen, welche die Opportunitätskosten erhöhen, sowie der starke US-Dollar. Diese Faktoren dürften jedoch temporär sein. Mittelfristig bleibt Gold aus Diversifikationssicht ein potenzieller Stabilitätsanker im Portfolio.
Performance März 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Schlussfolgerung
Wir halten an unserem Basisszenario fest, wonach die Krise zeitlich begrenzt bleibt und in eine schrittweise Normalisierung übergeht, insbesondere bei Transportwegen und Energiepreisen. Kurzfristig dürften die Auswirkungen jedoch bis mindestens Mitte Jahr spürbar bleiben, etwa in Form von Versorgungsengpässen, niedrigen Lagerbeständen und beschädigter Infrastruktur.
Vor diesem Hintergrund erscheint der wirtschaftliche Schaden begrenzt und der Inflationsschub tendenziell temporär. Entsprechend dürften die Notenbanken vorerst abwartend agieren und versuchen, durch einen möglichen Energiepreisschock «hindurchzuschauen», vorausgesetzt, Zweitrundeneffekte bleiben aus.
Für die Finanzmärkte ergäbe sich daraus grundsätzlich weiteres Aufholpotenzial bei Risikoanlagen. Allerdings haben die jüngsten Kursanstiege bereits Teile dieses Szenarios vorweggenommen. In Kombination mit der weiterhin fragilen Lage spricht dies für anhaltend erhöhte Volatilität.
Für Anlegerinnen und Anleger ergibt sich daraus die Empfehlung, investiert zu bleiben, die Risiken jedoch nicht weiter auszuweiten. Der Fokus sollte sowohl bei Aktien als auch bei Obligationen auf Qualitätsanlagen liegen. Die Beimischung ergänzender Anlagen wie Schweizer Immobilienfonds, Rohstoffe und Gold sorgt weiterhin für die notwendige Diversifikation und Stabilisierung des Portfolios.
Beschlüsse
Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.
Taktische Ausrichtung
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