Aktuelle Marktübersicht

Anlagepolitik vom 12.05.2026
Marktberichte | 15. Mai 2026

Marktumfeld

Das geopolitische Geschehen dominiert weiterhin den Nachrichtenfluss. Trotz aktuellem Waffenstillstand zeichnet sich bis jetzt kein dauerhafter Frieden im Irankonflikt ab. Zudem bleibt die Meerenge von Hormus, der so wichtige Transportweg für Rohwaren aus der Krisenregion, gesperrt. Der Ölpreis verharrt als Folge davon auf einem erhöhten Niveau. Umso erstaunlicher ist es, wie robust sich die Aktienmärkte momentan präsentieren. Die Ende März begonnene Erholung setzt sich bis heute fort, und verschiedene regionale Aktienindizes haben inzwischen neue Rekordstände erreicht. Die Anlegerinnen und Anleger konzentrieren sich auf ein baldiges Ende des Irankrieges und einen rasch sinkenden Ölpreis. Damit würden sich mögliche negative Folgen für die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne in Grenzen halten. Auch die erhöhten Inflationsraten wären dann nur temporärer Natur, was die Notenbanken zurückhaltend agieren liesse.

Und tatsächlich zeigt die globale Wirtschaft auf den ersten Blick eine positivere Entwicklung, als es die Umstände vermuten lassen. Allerdings suggerieren Vorzieheffekte und Lageraufbau eine robuste Nachfragesituation, obwohl sie lediglich dazu dienen, die gestörten Lieferketten zu überbrücken. Zudem schwächt sich das Konsumentenvertrauen zusehends ab, was angesichts erhöhter Energiepreise und steigender Inflation wenig verwunderlich ist. Die realen Einkommen nehmen ab, weil mit den vorhandenen Mitteln aufgrund steigender Preise weniger konsumiert werden kann. Insgesamt erhöht sich das Stagflationsrisiko – ein stagnierendes Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig steigender Teuerung. Die Notenbanken befinden sich mit ihrer Geldpolitik deshalb zunehmend in der Zwickmühle zwischen dem Kampf gegen die Inflation und der Gefahr einer konjunkturellen Abschwächung.

Die Notenbanken üben sich weiterhin in Zurückhaltung und versuchen, den Einfluss erhöhter Energiepreise richtig zu antizipieren. Die grösste Herausforderung für die Zinshüter bleibt, dass sich die Inflationserwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten nicht entankern. Dann würden sich nämlich Zweitrundeneffekte wie höhere Lohnansprüche ergeben, wodurch die Inflation zusätzlich angeheizt würde. Bis jetzt ist ihnen dieses Kunststück in erster Linie durch eine aktive Kommunikation gelungen. 

Obligationenmärkte

Während die Aktienbörsen ein baldiges Ende der Eskalation im Nahen Osten und damit eine Entspannung der Lieferwege für Energieträger vorwegnehmen, bleiben die Märkte für festverzinsliche Anlagen deutlich skeptischer. Vor allem die Sorge um nachhaltig steigende Inflationsraten sowie restriktiver agierende Notenbanken sorgen für erhöhte Renditen und spiegelbildlich tiefere Obligationenpreise. Zumindest die Risikoaufschläge für Schuldner mit tieferer Bonität haben sich wieder auf das Niveau vor Ausbruch des Krieges zurückgebildet.

Immerhin hat diese Entwicklung dazu geführt, dass Gläubiger bei Engagements in internationalen Anleihemärkten mittlerweile wieder grosszügig entschädigt werden. Die attraktive Verzinsung wirkt zudem einem möglichen Preisdruck entgegen, der bei einer zusätzlichen Eskalation der Situation entstehen könnte. Umgekehrt könnte eine Entspannung der Lage zu sinkenden Renditen und damit zusätzlichen Kapitalgewinnen bei Anleihen führen.

An der letzten Lagebeurteilung haben die massgebenden Notenbanken auf die Gefahr steigender Inflationsraten hingewiesen und ihre Bereitschaft zu deren Bekämpfung betont. Mit zunehmender Dauer der Krise steigt damit das Risiko höherer Leitzinsen. Die Terminmärkte bilden solche für die Eurozone, das Vereinigte Königreich sowie Japan bereits ab. Im Fall der USA haben sich die Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen, die zum Jahresstart noch als gegeben eingestuft wurden, zeitlich nach hinten verschoben.

grafik performance obligationen

Performance April 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Aktienmärkte

Die Entwicklung der internationalen Aktienmärkte steht im Kontrast zu steigenden Energiepreisen sowie den erhöhten Inflations- und Wachstumssorgen. Neben der Erwartung einer baldigen Einigung der Kriegsparteien und damit verbunden sinkenden Energiepreisen ist es vor allem eine erfreulich verlaufende Berichtsaison, die für höhere Aktienkurse sorgt. In den USA konnten bisher über 80 % der Unternehmen die Erwartungen der Analysten mit ihren Erstquartalsergebnissen übertreffen. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Insbesondere die europäischen Märkte, aber auch die Schweizer Börse, können bezüglich Gewinnwachstum nicht mit den USA mithalten. Das liegt einerseits am Branchenmix mit einem deutlich tieferen Anteil an technologieorientierten Unternehmen, andererseits an einer grösseren Energieabhängigkeit der jeweiligen Volkswirtschaften.

Im Zentrum des Anlegerinteresses standen in den letzten Wochen einmal mehr die führenden Technologieunternehmen. Ein besonderes Augenmerk der Analysten lag auf der Fähigkeit der Gesellschaften, die Milliardeninvestitionen in Gewinne umzuwandeln. Dafür gibt es erste Anzeichen in den Erstquartalszahlen, was die Sorge um die hohen Ausgaben zumindest teilweise dämpft. Damit lässt sich zumindest teilweise erklären, warum der amerikanische Aktienmarkt bereits wieder über dem Preisniveau von vor Kriegsausbruch steht. Zu den Gewinnern gehören auch Gesellschaften aus dem Energie- und Grundstoffbereich. Beide profitieren von den erhöhten Rohstoffpreisen. Dieser Umstand ist jedoch stark mit der aktuellen geopolitischen Lage verknüpft und könnte sich bei einer nachhaltigen Entspannung rasch wieder ändern.

grafik performance aktien

Performance April 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Devisenmärkte

Die zunehmende Beruhigung im Irankonflikt hat auch Einfluss auf die Devisenmärkte. Der US-Dollar hat sich seit Ende März spürbar abgewertet, was sich mit der abnehmenden Risikoaversion der Investorinnen und Investoren erklären lässt. Der weitere Kursverlauf wird nun stark von der geopolitischen Entwicklung und der US-Geldpolitik abhängen. Eine baldige Lösung im Nahen Osten in Kombination mit einer möglichen Zinslockerung würde belastend wirken. Eine weitere Eskalation hingegen würde die Nachfrage nach dem als sicherer Hafen geltenden Greenback wieder erhöhen.

Der Schweizer Franken hat sich in den letzten Wochen erneut aufgewertet. Paradoxerweise hängt diese Entwicklung mit der Beruhigung der Lage im Nahen Osten zusammen. Offensichtlich überlässt die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Franken wieder verstärkt den Marktkräften. Zwischenzeitlich hatte sie mit Devisenkäufen wohl dafür gesorgt, dass sich der Aufwertungsdruck in Grenzen hielt. Insbesondere als der Euro unter die Marke von 90 Rappen fiel, scheint sie erfolgreich interveniert zu haben.

Mittlerweile hat sich der Wechselkurs zur europäischen Einheitswährung wieder über dieser Marke etabliert. Es ist wahrscheinlich, dass sich die graduelle Aufwertung des Frankens gegenüber der Mehrheit anderer Währungen auch künftig fortsetzen wird. Der Euro hingegen befindet sich momentan im Spannungsfeld getrübter Konjunkturaussichten und möglicher Zinserhöhungen zur Bekämpfung erhöhter Inflationswerte. Während ersteres belastend wirkt, könnten höhere Renditen als Folge einer restriktiveren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Nachfrage stützen.

grafik performance devisen

Performance April 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF 

Übrige Anlagekategorien

Glaubt man den Terminmärkten, wird sich der Ölpreis rasch wieder normalisieren. Davon zeugen zumindest die tieferen Preise für zukünftige Lieferungen. Allerdings werden unseres Erachtens die Normalisierung der Transportwerge, die Reparatur der Infrastruktur und der Aufbau von Lagerbeständen eine rasche Kurserholung verzögern. Mittelfristig gibt es allerdings mehrere Aspekte, die für tiefere Preise sprechen: Ein gedämpftes Wirtschaftswachstum reduziert die Nachfrage, ein steigendes Angebot durch das Hochfahren bestehender Kapazitäten sowie neue Anbieter ausserhalb des Ölkartells OPEC+ – die Vereinigten Arabischen Emirate gaben jüngst ihren Austritt bekannt.

Die Preise kotierter Schweizer Immobilienfonds sind in den letzten Wochen unter Druck geraten. Dafür ist kein einzelner Grund ausschlaggebend, sondern vielmehr ein Zusammenspiel verschiedener negativer Faktoren: Die Diskussion um eine Verschärfung der Lex Koller, eine überdurchschnittliche Bewertung, eine erhöhte Emissionstätigkeit (Kapitalerhöhungen) sowie die Aussicht auf möglicherweise steigende Franken-Zinsen aufgrund erhöhter Inflationstendenzen. Wir behalten unsere positive Sichtweise für indirekte Immobilienanlagen dennoch bei. Ein anhaltender Nachfrageüberhang am Realmarkt sowie eine attraktive Ausschüttungsrendite, gerade im Vergleich zu Franken-Obligationen, zählen zu den wichtigsten Argumenten, die auch künftig für höhere Kurse sprechen sollten.

grafik performance übrige anlagen

Performance April 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF 

Schlussfolgerung

Die Finanzmärkte stecken bisher einen der gewaltigsten Angebotsausfälle von Energieträgern seit den 1970er-Jahren überraschend gelassen weg. Vor allem die Aktienmärkte nehmen eine rasche Normalisierung der Situation vorweg. Das ist unter anderem auch auf den starken Fokus auf das Thema künstliche Intelligenz zurückzuführen. Diesbezüglich scheinen momentan die Bäume in den Himmel zu wachsen. Übertriebene Wachstumsvorstellungen gepaart mit einem grenzenlosen Vertrauen, dass sich die Milliardeninvestitionen auch lohnen werden, sorgen für ein anhaltendes Stimmungshoch. Wir sind diesbezüglich etwas vorsichtiger positioniert und investieren weiterhin breit diversifiziert, um mögliche Enttäuschungen kompensieren zu können. Dies betrifft nicht nur die regionale und sektorielle Ausrichtung auf der Aktienseite, sondern auch die Anlagekategorien im Portfoliokontext. Die Beimischung von Anleihen und ergänzenden Anlagethemen wie Schweizer Immobilien, Rohstoffen oder Gold sorgt für ein ausgewogenes Rendite-/Risikoverhältnis und schützt, falls sich die geopolitische Lage wieder verschärfen sollte. 

Beschlüsse

Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.

Taktische Ausrichtung

grafik aktuelle anlagestrategie

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