Aargauer Konjunkturbarometer
Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, legt im April um 1,7% auf 97,3 Punkte zu. Damit gewinnt der regionale Index zum dritten Mal in Folge an Boden und festigt seinen Erholungskurs. Der Swiss Index notiert mit 93,7 Punkten praktisch unverändert (+0,1%). Die Differenz ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Aargauer Wirtschaft in einer Phase erhöhter geopolitischer Unsicherheit als Stabilitätsanker wirkt. Dabei zeigt sich: Die Industrieerholung gewinnt an Tiefe und der Schwerverkehr auf den Nationalstrassen bleibt dynamisch.
Hohe Volatilität in der Logistik
Die anhaltende Eskalation im Nahen Osten und die seit Ende März geschlossene Strasse von Hormus haben die globalen Logistikströme stärker getroffen als zunächst absehbar. Die transportierten Mengen im Nahen Osten haben sich seit März in der Luftfracht halbiert. Entsprechend mussten die prognostizierten Logistikwerte im März in beiden Indizes nachträglich nach unten korrigiert werden. Daraus resultiert eine signifikante Revision der März-Headline: Der Aargauer Barometer wurde von ursprünglich 97,4 auf 95,6 Punkte zurückgesetzt, der Swiss Index von 95,5 auf 93,6 Punkte. Der nun ausgewiesene April-Anstieg ist somit eine echte Verbesserung gegenüber der bereinigten Basis.
Industrie bestätigt Wachstumskurs
Die Industriekomponente legte im Aargauer Barometer zum zweiten Mal in Folge zu. Untermauert wird die Erholung durch den schweizerischen Einkaufsmanagerindex (PMI) – herausgegeben von procure.ch und UBS -, der im April um weitere 1,2 Punkte auf 54,5 Punkte stieg – der höchste Wert seit über drei Jahren. Die Subkomponenten Produktion (52,3) und Auftragsbestand (56,1) konnten weiter zulegen. Der Dienstleistungs-PMI gab zwar um 2,4 Punkte auf 54,8 nach, signalisiert mit einem Vier-Monats-Durchschnitt von rund 55 Zählern aber weiterhin eine robuste Konjunktur im Dienstleistungssektor.
International bestätigt sich das Bild. Der J.P. Morgan Global Composite PMI stieg auf 51,8 Punkte, der Global Manufacturing Output Index erreichte mit 53,4 Punkten ein Fünf-Jahres-Hoch. Indien, China und Grossbritannien führen das Wachstum an, während die Eurozone erstmals seit 16 Monaten wieder schrumpfte. Der von der AKB errechnete exportgewichtete internationale PMI lag bei 52,7 Punkten – komfortabel über der Wachstumsschwelle.
Schwerverkehr: Oster-Effekt verzerrt April-Bild
Die Komponente Logistik & Verkehr legte im Aargauer Barometer leicht um 0,6% auf 103,5 Punkte zu, während der Swiss Index hier um 3,5% auf 102,5 Punkte zurückfiel. Der Schwerverkehr im Kanton Aargau lag im Jahresvergleich 2,9% im Plus (Schweiz: +1,2%). Die wöchentlichen ASTRA-Daten zeigten im April einen scheinbaren Einbruch auf nationaler Ebene, der jedoch nicht konjunkturell, sondern kalendarisch bedingt ist: Der späte Ostertermin (Karfreitag und Ostermontag in den Kalenderwochen 14 und 15) führte aufgrund des Sonntagsfahrverbots zu einem statistischen Rückgang der Wochensummen.
Auf den Nationalstrassen im Kanton Aargau zeigte sich dabei eine deutlich geringere Volatilität als im Schweizer Durchschnitt. Grund ist die Hub-Funktion im Mittelland bzw. die Nähe zu grossen Verteilzentren in Detailhandel, Pharma und Chemie, unausweichliche Transitachsen Nord–Süd und Ost–West sowie ausgeprägte Kompensationswellen unmittelbar vor und nach den Feiertagen. Die Aargauer Messpunkte filtern damit das «Feiertags-Rauschen» heraus und bilden den industriellen Warenfluss präziser ab als der nationale Durchschnitt.
LKW-Verkäufe 17,2% über dem Vorjahr
Der Personenwagen- und Nutzfahrzeugmarkt driften deutlich auseinander: Die schweren Nutzfahrzeuge weisen im Jahresverlauf gemäss Auto Schweiz einen Zuwachs von 17,2% gegenüber der Vorjahresperiode aus – eine weitere Beschleunigung gegenüber dem Vormonat (+15,6 %) und ein starker konjunktureller Frühindikator für Investitionstätigkeit und Logistik. Demgegenüber stagnieren die Autoverkäufe in den ersten vier Monaten gemäss Originaldaten bei +0,3% (Vorjahr/YoY).
Arbeitsmarkt: Aargau bleibt Lichtblick
Die offenen Stellen im Kanton Aargau lagen im April im Jahresvergleich 8,4% über dem Vorjahr. Der gesamtschweizerische Vergleichswert von -0,2 % zeigt eine Stagnation. Der KOF-Beschäftigungsindikator für das zweite Quartal 2026 stieg leicht von revidierten 2,1 auf 2,2 Punkte und liegt damit weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt von 1,7 Punkten. Aufhellung verzeichnen Grosshandel und verarbeitendes Gewerbe, während Detailhandel und Gastgewerbe leichte Eintrübungen zeigen. Das Baugewerbe bleibt mit 10,7 Punkten auf hohem Niveau.
Finanzmärkte: Beruhigung nach März-Schock
Die globalen Aktienmärkte zeigten sich nach den Rücksetzern im März widerstandsfähig. Geopolitische Spannungen – insbesondere der Iran-Krieg und der dadurch ausgelöste Energiepreisanstieg – treiben zwar weiterhin die Volatilität, ohne aber zu einem breiten Einbruch zu führen. Die Märkte haben ihre Erwartungen von raschen Zinssenkungen hin zu einer länger anhaltenden geldpolitischen Straffung verschoben. Die grösste positive Überraschung lieferten im April die Finanzmärkte. Die Volatilität an den wichtigsten Finanzmärkten ging im Monatsvergleich um 30,5% zurück, nachdem sie im März um 18,8% gestiegen war. Das Investorenvertrauen erholte sich um 13,5%, das Konsumentenvertrauen um 4,1%. Entsprechend legte die Finanzmarktkomponente im Aargauer Barometer um 1,9 % zu.
Aussenhandel trotzt der Belastung durch Nahostkonflikt
Im ersten Quartal 2026 rutschte der Aussenhandel in beiden Handelsrichtungen zwar nominal und saisonbereinigt ins Minus. Allerdings sieht der preisbereinigte Trend viel besser aus: Real legten die Exporte im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal +3.7% zu, bei den Importen resultierte ein kleines Minus von −1.2%. Die Highlights: Uhrenexporte trotzen dem Abwärtssog und Ausfuhren nach Europa steigen auf breiter Front.
Swiss Index steigt leicht
Der gesamtschweizerische Swiss Index notierte im April mit 93,7 Punkten praktisch unverändert. Die geringere Performance gegenüber dem Aargauer Index ist primär auf die Komponente Logistik & Verkehr zurückzuführen. Die methodisch unterschiedliche Gewichtung der Industrie (15% vs. 22,5% im Aargau) sowie der Fahrzeugverkäufe (7,5% vs. 10%) verstärkt den Effekt zusätzlich.
Konjunkturausblick
Das SECO beziffert das BIP-Wachstum der Schweiz für 2025 auf 1,4%. Für 2026 erwartet die Aargauische Kantonalbank ein Wachstum in derselben Grössenordnung von 1,4%. Die globale Industriekonjunktur zeigt sich zunehmend gefestigt, doch warnt J.P. Morgan, dass ein Teil des aktuellen Auftragswachstums auf Vorzieheffekte («Front-Loading») zurückgehen dürfte – Unternehmen sichern sich Bestellungen ab, um steigenden Preisen und drohenden Lieferengpässen zuvorzukommen. Das globale Wirtschaftsbarometer von KOF (ETH Zürich) und FGV (Rio de Janeiro) liegt so hoch wie zuletzt im März 2022, während der vorlaufende Indikator gleichzeitig fällt und auf nachlassende Dynamik in den kommenden Monaten hindeutet.
Die Risiken bleiben erheblich: Der anhaltende Iran-Konflikt, die dadurch ausgelösten Energiepreisaufschläge sowie die zunehmenden protektionistischen Tendenzen bilden ein Spannungsfeld, das die weitere Entwicklung prägt.
Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:
Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.
Disclaimer: Diese Publikation richtet sich an Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Sie richtet sich nicht an Bürger oder Niedergelassene in den USA, CAN oder UK sowie nicht an andere Personen, die Restriktionen (z.B. bezüglich Nationalität, Wohnsitz) unterliegen. Sie enthält Werbung für Finanzinstrumente und Ansichten ohne Offertcharakter. Unsere Quellen sind in der Regel zuverlässig; für Richtigkeit und Vollständigkeit garantieren wir nicht. Alle Angaben sind deshalb ohne Gewähr. Dieses Dokument berücksichtigt weder die spezifischen oder künftigen Anlageziele noch die finanzielle Lage oder individuellen Bedürfnisse des einzelnen Empfängers und ist keine individuelle Beratung. Vor einer Investition muss sich der potenzielle Anleger über die Anlagepolitik, das Anlageziel, Chancen, Risiken sowie Kosten informieren. Eine Investition erfolgt auf eigenes Risiko. Die Aargauische Kantonalbank lehnt jegliche Haftung im Zusammenhang mit möglichen Steuerfolgen ab.