Aargauer Konjunkturbarometer
Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, legt im Mai um 1,7% auf 99,9 Punkte zu. Damit gewinnt der regionale Index zum vierten Mal in Folge an Boden und steht praktisch auf seinem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten – der Schwelle zwischen unterdurchschnittlichem und überdurchschnittlichem Wachstum. Der Swiss Index zieht mit +2,6% auf 97,2 Punkte sogar etwas kräftiger an, bleibt aber unter der Marke.
Starke Zeichen aus dem Industriesektor
Im Jahresvergleich notiert der Aargauer Index mit +1,7% klar im Plus, während der Swiss Index mit -0,6% noch leicht unter dem Vorjahr liegt. Die Konstellation bestätigt das Bild der Vormonate: Die Aargauer Wirtschaft wirkt in einer Phase erhöhter geopolitischer Unsicherheit als Stabilitätsanker. Getragen wird die Erholung diesmal von der Industrie, den Finanzmärkten und dem Investorenvertrauen – während die Logistik nach dem starken April erstmals seit Längerem bremst.
Konsolidierung in der Logistik
Die anhaltende Eskalation im Nahen Osten und die weiterhin gesperrte Strasse von Hormus führen bei den globalen Logistikströmen zu hoher Volatilität. In der Luftfracht lagen die Mengen im Nahen Osten im April 18,2% unter dem Vorjahr, während das weltweite Frachtvolumen dank robuster asiatischer Handelsströme um 4,0% zulegte – die Umleitung ganzer Korridore hält an.
Schwerverkehr: Oster-Verzerrung läuft aus
Nachdem der späte Ostertermin das April-Bild verzerrt hatte, gibt dieser Effekt im Mai erwartungsgemäss nach. Der Schwerverkehr bewegt sich im Jahresvergleich nun nahe der Nulllinie. Im Kanton Aargau lag er 0,1% unter dem Vorjahr, schweizweit 0,4% tiefer. Die geringere Schwankungsbreite der Aargauer Messpunkte gegenüber dem nationalen Durchschnitt bleibt bestehen und bestätigt die Hub-Funktion im Mittelland – die Nähe zu grossen Verteilzentren in Detailhandel, Pharma und Chemie sowie die unausweichlichen Transitachsen Nord–Süd und Ost–West bilden den industriellen Warenfluss präziser ab als die volatileren gesamtschweizerischen Werte.
LKW-Verkäufe weiter im Plus, Autoverkäufe drehen ins Minus
Die Verkäufe von schweren Nutzfahrzeugen weisen im Jahresverlauf gemäss Auto Schweiz einen Zuwachs von 9,1% gegenüber der Vorjahresperiode aus. Die Dynamik hat sich zwar erheblich abgeflacht, bleibt als konjunktureller Frühindikator für Investitionstätigkeit und Logistik aber klar positiv. Die Autoverkäufe drehten im Mai ins Minus und liegen gemäss Originaldaten 1,1% unter dem Vorjahr. Im Jahresverlauf liegen die Verkäufe nun exakt auf dem Niveau der Vorjahresperiode.
Industrie bestätigt den Wachstumskurs
Die Industriekomponente legte im Aargauer Barometer zum dritten Mal in Folge zu und liegt im Jahresvergleich 4,4% im Plus. Untermauert wird die Erholung durch den schweizerischen Einkaufsmanagerindex (PMI) – herausgegeben von procure.ch und UBS –, der im Mai um weitere 2,8 Punkte auf 57,3 Punkte stieg und damit den höchsten Wert seit über drei Jahren markiert. Es ist der dritte Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Subkomponenten Produktion (57,3) und Auftragsbestand (59,4) zogen kräftig an; der Auftragsbestand erreicht den höchsten Stand seit April 2022. Die Beschäftigungskomponente signalisiert mit 49,9 Punkten eine stabile Lage. Der Dienstleistungs-PMI verbesserte sich um 1,2 auf 56,0 Punkte, getrieben von einer Geschäftstätigkeitskomponente von 63,5 Punkten – dem höchsten Wert seit 52 Monaten.
International bestätigt sich das Bild. Der J.P. Morgan Global Composite PMI verharrte unverändert bei 51,8 Punkten und signalisiert damit den 40. Expansionsmonat in Folge, während der Global Manufacturing Output Index mit 53,5 Punkten ein Fünf-Jahres-Hoch erreichte. Die USA, China, Japan und Indien führen das Wachstum an, während Eurozone und Grossbritannien weiterhin schrumpfen. Der von der AKB errechnete exportgewichtete internationale PMI lag bei 52,5 Punkten – komfortabel über der Wachstumsschwelle.
Solider Arbeitsmarkt
Die offenen Stellen im Kanton Aargau lagen im Mai 9,1% über dem Vorjahr und damit erneut über dem nur leicht positiven gesamtschweizerischen Vergleichswert von +0,8%. Der Kanton hält seinen Vorsprung beim Stellenangebot somit klar – ein wichtiger Stützpfeiler für die regionale Resilienz. Der KOF-Beschäftigungsindikator für das zweite Quartal 2026 liegt, wie im vergangenen Bericht erwähnt, mit 2,2 Punkten weiterhin über dem langjährigen Durchschnitt von 1,7 Punkten.
Finanzmärkte: Investoren fassen Vertrauen
Die grösste positive Überraschung lieferten erneut die Finanzmärkte. Die Märkte zeigen sich gegenüber den geopolitischen Spannungen – insbesondere dem Iran-Konflikt und dem dadurch ausgelösten Energiepreisanstieg – widerstandsfähig, ohne dass es zu einem breiten Einbruch kommt. Die Volatilität an den wichtigsten Finanzmärkten ging im Monatsvergleich um 18,3% zurück und setzt damit den Beruhigungstrend des Vormonats fort. Das Investorenvertrauen erholte sich kräftig um 23,8%, während das Konsumentenvertrauen um 5,3% nachgab. Diese Spreizung – zuversichtliche Anleger bei vorsichtigeren Konsumenten – deckt sich mit der jüngsten Einschätzung der KOF, wonach die Indikatoren der Konsumnachfrage nachgeben müssen.
Realer Aussenhandel positiv
Der Aussenhandel bleibt im Jahresvergleich und aus nominaler Perspektive (vor Preisbereinigung) mit -4,2% der grösste Belastungsfaktor beider Indizes. Die Sperrung der Strasse von Hormus, die Umleitung ganzer Handelskorridore und die kräftig gestiegenen Energie- und Frachtkosten belasten die handelsabhängigen Sektoren spürbar. Die preisbereinigte Entwicklung zeichnet jedoch, wie schon im ersten Quartal, ein günstigeres Bild: Real legten die Exporte im April um 3,0% zu, die Importe sogar um 4,1%.
Swiss Index zieht diesmal stärker an
Der gesamtschweizerische Swiss Index legte im Mai mit +2,6% deutlicher zu als der Aargauer Index. Verantwortlich dafür ist die methodisch unterschiedliche Gewichtung: Der Swiss Index gewichtet das Konsumenten- und Investorenvertrauen sowie die Finanzmärkte höher – und gerade diese beiden Komponenten lieferten im Mai die stärksten Impulse. Umgekehrt profitiert der Aargauer Index strukturell von seiner höheren Industrie- und Fahrzeuggewichtung, was ihn in der Jahresbetrachtung weiterhin klar vor dem Swiss Index hält.
Ausblick 2026 und 2027
Das SECO beziffert das BIP-Wachstum der Schweiz für 2025 auf 1,4%; für 2026 rechnet es mit 1,0% und für 2027 mit 1,7%. Die Aargauische Kantonalbank ist für das laufende Jahr mit 1,1% leicht zuversichtlicher und im Vergleich zum SECO etwas zurückhaltender für 2027 mit einem prognostizierten Wachstum von 1,4%.
Die weiteren vorlaufenden Indikatoren senden ein gemischtes Signal. Das KOF-Konjunkturbarometer stieg im Mai nur minimal um 0,2 auf 98,0 Punkte und verharrt damit unter dem mittelfristigen Durchschnitt – die Aussichten bleiben verhalten. Das globale Wirtschaftsbarometer von KOF (ETH Zürich) und FGV (Rio de Janeiro) bestätigte im Mai seinen Aufwärtspfad: Der Index stieg von 101,7 auf 101,9 Punkte.
Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:
Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.
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