Aargauer Konjunkturbarometer

Barometer überspringt die 100-Punkte-Marke deutlich.
Marktberichte | 14. Juli 2026

Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, legt im Juni um 1,5% auf 101,9 Punkte zu. Damit gewinnt der regionale Index zum fünften Mal in Folge an Boden und überspringt die 100-Punkte-Schwelle erstmals seit Längerem deutlich. Der Swiss Index verharrt derweil bei 97,7 Punkten und legt eine Verschnaufpause ein. Die Marke von 100 Punkten stellt als langjähriger Mittelwert die Grenze zwischen unterdurchschnittlichem und überdurchschnittlichem Wachstum dar.

Aargau baut Vorsprung aus

Im Jahresvergleich notiert der Aargauer Index mit +5,0% markant im Plus; der Swiss Index dreht mit +1,2% nun ebenfalls über die Vorjahreslinie. Die Konstellation der Vormonate verfestigt sich damit. Die Aargauer Wirtschaft wirkt in einer Phase anhaltend erhöhter geopolitischer Unsicherheit als Stabilitätsanker – und wächst im historischen Vergleich inzwischen überdurchschnittlich. Getragen wird der Anstieg diesmal vom Aussenhandel, der Medienresonanz, der Logistik und den Fahrzeugverkäufen – während Industrie, Finanzmärkte und Geschäftsklima leicht bremsen.

Aussenhandel mit kräftigem Comeback

Die grösste positive Überraschung lieferte der Aussenhandel, wie die im Juni veröffentlichten Daten zeigen. Nach der Stagnation im Vormonat schossen die Exporte im Mai saisonbereinigt um 13,4% in die Höhe und erreichten mit 25,4 Milliarden Franken den höchsten Wert seit März 2025. Die Importe legten um 3,4% zu. Die Handelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 5,6 Milliarden Franken – dem höchsten Wert der letzten zwölf Monate. Auch preisbereinigt bleibt das Bild positiv, real stiegen die Exporte um 5,0%. Getragen wurde das Wachstum vor allem von den chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen (+25,7% binnen Monatsfrist) sowie vom Handel mit Europa (+18,5%). Die Uhrenexporte erlitten dagegen einen Dämpfer (-4,0%).

Industrie: Erste Bremsspuren?

Die Industriekomponente gab im Aargauer Barometer nach der starken Vormonatsserie leicht nach, liegt im Jahresvergleich aber weiterhin im Plus. Der schweizerische Einkaufsmanagerindex (PMI) – herausgegeben von procure.ch und UBS – fiel im Juni zwar um 3 Punkte auf 54,3 Zähler, notiert damit aber den vierten Monat in Folge deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Produktionskomponente verharrte bei 57 Punkten, einem der höchsten Werte seit über vier Jahren; die Beschäftigung bleibt mit knapp 49 Punkten stabil. Der Dienstleistungs-PMI kletterte auf 59,8 Punkte – den höchsten Stand seit März 2022.

International mehren sich dagegen die Zeichen, dass der Aufschwung seinen Zenit überschritten haben könnte. Der J.P. Morgan Global Manufacturing PMI gab im Juni von seinem 50-Monats-Hoch auf 52,2 Punkte nach – der elfte Expansionsmonat in Folge, aber mit nachlassender Dynamik bei Produktion und Neuaufträgen sowie einem Geschäftsausblick auf Acht-Monats-Tief. Der von der AKB errechnete exportgewichtete internationale PMI liegt mit 52,1 Punkten weiterhin komfortabel über der Wachstumsschwelle. Zähflüssig verläuft die Produktion seit einigen Monaten in der EU-Industrie. Die Auftragsbestände verharren gemäss dem EU Business Climate Indicator (BCI) im negativen Bereich. Dies ist eine Konstellation, die für die exportorientierte Schweizer Industrie im weiteren Jahresverlauf zum Belastungsfaktor werden könnte.

Fahrzeugmarkt: Kalendereffekt beflügelt den Juni

Die Autoverkäufe legten im Juni gemäss Auto Schweiz um 15,6% gegenüber dem Vorjahr zu. Der starke Zuwachs darf allerdings nicht überbewertet werden: Weniger Feiertage auf Werktagen bescherten dem Juni 2026 mehr Verkaufstage als dem Vorjahresmonat. Im Halbjahresverlauf resultiert ein solides Plus von 3,0% auf 116'584 Personenwagen. Die Verkäufe schwerer Nutzfahrzeuge – als Frühindikator für die Investitionstätigkeit besonders relevant – liegen im Jahresverlauf 9,2% über der Vorjahresperiode und bestätigen den positiven Investitionstrend.

Logistik: Aargau fährt dem Landesmittel voraus

Der Güterverkehr als Gradmesser für die aktuellen Investitionstätigkeiten lag im Aargau im Juni 2% über dem Vorjahr (Schweiz: +0,8%). Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Schwerverkehr schweizweit im ersten Halbjahr die Werte im Kanton Aargau klar überflügelte. Die Investitionslage bleibt 2026 gemäss SECO verhalten. Bauinvestitionen erholen sich leicht (+1,4%), während Ausrüstungsinvestitionen nur schwach wachsen (+0,3%). 2027 erwartet das SECO bei beiden Investitionsarten eine stärkere Dynamik.

Arbeitsmarkt: Aargau hält sich im Plus

Die offenen Stellen im Kanton Aargau lagen im Juni 0,9% über dem Vorjahr, während das gesamtschweizerische Stellenangebot um 4,8% zurückging. Die Schere zwischen dem robusten kantonalen und dem rückläufigen nationalen Arbeitsmarkt öffnet sich damit weiter – ein wichtiger Stützpfeiler für die regionale Resilienz, auch wenn sich die Dynamik gegenüber den Vormonaten abgeflacht hat. Im vergangenen Quartal lag das Jobangebot im Aargau 6,1% über dem Vorjahr, schweizweit resultierte ein Minus von 1,4 Prozent.

Finanzmärkte: Rekorde mit angezogener Handbremse

Die europäischen Leitindizes setzten ihren Rekordlauf fort; DAX, EuroStoxx 50 und SMI markierten neue Bestwerte, die US-Indizes lagen per Saldo im Plus – begleitet allerdings von spürbaren Schwankungen bei KI- und Halbleiterwerten. Die Volatilität an den wichtigsten Finanzmärkten stieg im Monatsvergleich leicht um 2,8% und unterbricht damit den Beruhigungstrend der Vormonate.

Swiss Index legt Verschnaufpause ein

Der gesamtschweizerische Swiss Index verharrte im Juni bei 97,7 Punkten, nachdem er im Vormonat kräftig zugelegt hatte. Verantwortlich für die Stagnation ist die methodisch unterschiedliche Gewichtung: Der Swiss Index gewichtet die Finanzmärkte sowie das Konsumenten- und Investorenvertrauen höher – just jene Komponenten, die im Juni bremsten oder sich nur verhalten entwickelten. Der Aargauer Index profitiert dagegen strukturell von seiner höheren Industrie-, Fahrzeug- und Logistikgewichtung und baut seinen Vorsprung in der Jahresbetrachtung (+5,0% gegenüber +1,2%) weiter aus.

 

Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:

Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.

 

Disclaimer: Diese Publikation richtet sich an Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Sie richtet sich nicht an Bürger oder Niedergelassene in den USA, CAN oder UK sowie nicht an andere Personen, die Restriktionen (z.B. bezüglich Nationalität, Wohnsitz) unterliegen. Sie enthält Werbung für Finanzinstrumente und Ansichten ohne Offertcharakter. Unsere Quellen sind in der Regel zuverlässig; für Richtigkeit und Vollständigkeit garantieren wir nicht. Alle Angaben sind deshalb ohne Gewähr. Dieses Dokument berücksichtigt weder die spezifischen oder künftigen Anlageziele noch die finanzielle Lage oder individuellen Bedürfnisse des einzelnen Empfängers und ist keine individuelle Beratung. Vor einer Investition muss sich der potenzielle Anleger über die Anlagepolitik, das Anlageziel, Chancen, Risiken sowie Kosten informieren. Eine Investition erfolgt auf eigenes Risiko. Die Aargauische Kantonalbank lehnt jegliche Haftung im Zusammenhang mit möglichen Steuerfolgen ab.

Das könnte Sie auch interessieren