AKB Zins- und Währungsbarometer

Einschätzungen der AKB zu Konjunktur, Zinsumfeld und Währungen
Marktberichte | 12. Juni 2026

Wirtschaft, Inflation und Arbeitsmarkt

Globale konjunkturelle Entwicklungen aufgrund der Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Irankrieg leicht tiefer erwartet
  • Stimmungsindikatoren für das Wachstum aufgrund der Unsicherheiten (Zölle, geopolitische Auseinandersetzungen) jüngst vom positiven in den neutralen (USA, Japan, China) und teilweise in den negativen (EU, UK) Bereich gefallen.
  • In den USA sorgen die höheren Ölpreise und die anziehende Inflation trotz relativ stabiler Arbeitsmärkte für eine leichte Eintrübung der Wachstumsaussichten.
  • Die Wirtschaft in der Eurozone wird aufgrund der verstärkten Energieabhängigkeit durch die Auswirkungen des Irankrieges stärker in Mitleidenschaft gezogen als die USA. Die stimulierende Wirkung der gesprochenen Ausgabenkredite in Deutschland ist schwer abschätzbar und aktuell nicht spürbar.
  • Schweizer Wirtschaftswachstum – dank Rückgang der US-Handelzölle auf 15% – wieder dynamischer. 
    • Negative Auswirkungen werden aufgrund der geringeren Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen erst mit länger anhaltenden höheren Ölpreisen erwartet.
Inflation gemessen an den Konsumentenpreisen aufgrund gestiegener Ölpreise jüngst spürbar anziehend  
  • Insbesondere in den USA und der Eurozone sind die Teuerungsraten deutlich über 3% gestiegen.
  • Die höheren Ölpreise müssten allerdings für längere Zeit (mehrere Monate) Bestand haben, damit die Inflationsraten nachhaltig auf diesen Niveaus bleiben.
  • Die US-Inflation wird zusätzlich durch die höheren Importzölle und inländische Kapazitätsengpässe befeuert. Ein Teil dieses Anstiegs könnte aber dank KI-Anwendungen und einer damit steigenden Produktivität gedämpft werden.
  • In der Eurozone dürften steigende Ausgaben für Infrastruktur, Umweltschutz und Verteidigung für zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Inflationsraten sorgen.
  • Die Schweiz bewegt sich dank einer weniger grossen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nach wie vor auf einem tiefen Teuerungsniveau (Teuerung im Mai 2026 gegenüber dem Vorjahresmonat bei +0,6%).

AKB-Prognosen Volkswirtschaft

BIP
2025*
BIP
2026*
BIP
2027*
Inflation
2025**
Inflation
2026**
Inflation
2027**
Schweiz 1,2 1,1 1,4 0,2 0,7 0,8
USA 2,2 2,1 2,0 2,7 3,2 2,4
Eurozone 1,4 0,7 1,1 2,1 2,8 2,2
Grossbritannien 1,4 0,8 1,3 3,5 3,2 2,6
Japan 1,1 0,6 0,8 3,2 2,1 1,5
China 5,0 4,6 4,4 0,1 1,2 1,0
Welt 3,4 3,1 3,2

Aktueller Stand: Juni 2026
* Veränderung reales Bruttoinlandprodukt gegenüber Vorjahr (in %)
** Veränderung Konsumentenpreisindex gegenüber Vorjahr (in %)

Zinsen

Kurzfristige CHF-Zinsen: Zinssenkungszyklus nähert sich dem Ende
  • SNB: Aktueller Leitzins seit 19.6.25 auf 0,00%
    • Die Futures-Märkte erwarten bis Ende 2026 keine weiteren Zinsmassnahmen.
    • Die AKB erwartet in den nächsten 12 Monaten ebenfalls keine weiteren Zinsmassnahmen mehr.
  • FED: Aktueller Leitzins seit 10.12.25 auf 3,50%–3,75%
    • US-Notenbank FED im Dilemma zwischen Preisstabilität und Wachstumsimpuls. Situation durch den Irankrieg weiter verschärft. 
    • Der neue FED-Chef Kevin Warsh, gilt als konsequenter Inflationsbekämpfer, rechnet aber dank KI-bedingten Produktivitätssteigerungen mit abnehmenden Teuerungsraten.
    • Die Futures-Märkte erwarten bis Ende 2026 keine weiteren Zinsmassnahmen mehr.
  • EZB: Aktueller Leitzins seit 11.6.26 auf 2,25%
    • Die jüngsten Entwicklungen an der Inflationsfront und die Ereignisse im Iran lassen die Futures-Märkte bis Ende Jahr noch eine weitere Zinserhöhung zu 25 Basispunkten erwarten. 
Langfristige CHF-Zinsen: «Flucht in Sicherheit» sorgt für ein tiefes inländisches Zinsniveau
  • Langfristzinsen dürften (u.a. aufgrund der Save-Haven-Funktion des CHF) nur sehr moderat ansteigen.

Währungen

  • Die Frankenentwicklung hängt kurzfristig stark von den geopolitischen Ereignissen ab: Eine weitere Entspannung würde den Aufwertungsdruck reduzieren, während eine erneute Eskalation für zusätzliche Stärke des Frankens sorgen dürfte.

  • Aus mittel- und langfristiger Perspektive wird der Franken aufgrund der dauerhaft tiefen Inflation, seiner Sicherheitsfunktion sowie der strukturellen Handelsüberschüsse der Schweiz stark bleiben.

  • Gleichzeitig weist die Schweizerische Nationalbank (SNB) regelmässig auf ihre Bereitschaft hin, im Bedarfsfall gegen eine zu rasche Frankenaufwertung zu intervenieren.

EUR/CHF
  • Die Erhöhung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird unseres Erachtens, wenn überhaupt, nur kurzfristig die europäische Einheitswährung stärken. Die Realrenditen verharren auf tiefem Niveau und dürften auch künftig nur für ein begrenztes Investoreninteresse sorgen.

  • Die hohe Energieabhängigkeit sowie die gedämpften Wachstumsaussichten der europäischen Wirtschaft dürften den Euro mittelfristig erneut belasten.

  • Gleichzeitig bestehen strukturelle und fiskalische Schwächen der Währungsunion fort: Eine nachlassende industrielle Wettbewerbsfähigkeit, eine geringe Innovationsdynamik sowie ein weiterhin schwaches Produktivitätswachstum.

  • Auch das fragile politische Umfeld in einzelnen Mitgliedstaaten sowie zunehmende Sorgen über die steigende Staatsverschuldung bleiben zentrale Risikofaktoren. Insbesondere die mangelnde Haushaltsdisziplin einzelner Länder belastet mittelfristig die fiskalische Stabilität der Eurozone.

USD/CHF
  • Der US-Dollar profitiert weiterhin von einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Investoren infolge der anhaltenden Krise im Nahen Osten.

  • Attraktive Realrenditen, ein robustes Wirtschaftswachstum sowie die Zurückhaltung der US-Notenbank gegenüber den zu Jahresbeginn erwarteten Zinssenkungen stützen den Greenback.

  • Strukturelle Belastungsfaktoren könnten mittel- und langfristig wieder stärker in den Vordergrund rücken. Dazu zählt insbesondere die angespannte Haushaltslage der USA mit hohen Budget- und Leistungsbilanzdefiziten – dem sogenannten Zwillingsdefizit. Eine expansivere Fiskalpolitik in Kombination mit strukturell hohen Staatsausgaben beeinträchtigt zudem das Vertrauen in die langfristige Schuldentragfähigkeit der Vereinigten Staaten.

  • Den Status des US-Dollars als weltweit führende Reservewährung sehen wir mittel- bis langfristig jedoch nicht gefährdet, da entsprechende Regimewechsel in der Regel Jahrzehnte dauern und derzeit keine gleichwertige Alternative mit vergleichbarer Liquidität und Markttiefe erkennbar ist. Dem Euro fehlt es weiterhin an fiskalischer und politischer Integration, während der chinesische Renminbi nach wie vor Kapitalverkehrskontrollen unterliegt.

Grafik mit Entwicklung des Währungsbarometer

Währungsprognosen

Währungs­paar Aktuell* Kurzfristige Tendenz Mittel- bis langfristige Tendenz Kaufkraft­parität (fairer Wert)** Unter­stützung Wider­stand
EUR/CHF 0.9220 seitwärts leicht sinkend 0.93 (Trend: weiter abnehmend) 0.9150/0.9020 ­0.9330/0.9400
USD/CHF 0.8000 seitwärts leicht sinkend 0.78 (Trend: weiter abnehmend) 0.7920/0.7770  0.8100/0.8160

* * Kurs vom 11.06.2026 / 15.15 Uhr
** Ermittlung des fairen Werts auf Basis der Kaufkraftparität, berechnet anhand der Konsumentenpreisentwicklung der letzten 15 Jahre (Stand per 08.06.2026)


Kommende Zentralbanksitzungen

Nächste Sitzung Weitere Termine
FED-Sitzung (USD-Zinsen) 17.6.2026 29.7.2026 / 16.9.2026
SNB-Sitzung (CHF-Zinsen) 18.6.2026 24.9.2026 / 10.12.2026
EZB-Sitzung (EUR-Zinsen) 23.7.2026 10.9.2026 / 29.10.2026



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