Aktuelle Marktübersicht

Anlagepolitik vom 30.06.2026
Marktberichte | 02. Juli 2026
Aktuelle Marktübersicht

Marktumfeld

Die Grosswetterlage an den Finanzmärkten hat sich mit der Absichtserklärung für ein dauerhaftes Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran deutlich aufgehellt. Infolge des gesunkenen Eskalationsrisikos ist der Ölpreis spürbar zurückgegangen, wodurch auch die Sorge vor einem nachhaltigen Energieschock deutlich nachgelassen hat. Entsprechend haben sich die Inflations- und Wachstumssorgen zumindest vorübergehend abgeschwächt. Die Aktien- und Obligationenmärkte reagierten positiv auf die Entspannung im Nahen Osten. Allerdings setzte die Aufwärtsbewegung auf unterschiedlichen Ausgangsniveaus ein. Während die Aktienmärkte nach Ausbruch des Konflikts nur kurzzeitig in den Krisenmodus wechselten, leiden die Anleihen bis heute unter den Folgen der veränderten Inflationserwartungen in Form höherer Renditen.

Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich infolge der jüngsten geopolitischen Entspannung wieder aufgehellt. Vor allem die USA dürften von tieferen Energiepreisen, anhaltend hohen Investitionen im KI-Bereich sowie einem robusten Privatkonsum profitieren. Dieser wird durch einen soliden Arbeitsmarkt und umfangreiche Steuererleichterungen gestützt. Auch für Europa zeichnet sich ein freundlicheres Konjunkturbild ab, allerdings auf tieferem Niveau. Rückläufige Inputkosten und eine expansive Fiskalpolitik schaffen zunehmend ein günstigeres wirtschaftliches Umfeld. Zudem haben die handelspolitischen Unsicherheiten infolge der Zölle abgenommen.

Obligationenmärkte

Die internationalen Obligationenmärkte profitieren derzeit von der Beruhigung der geopolitischen Lage. Bisher war es vor allem der gestiegene Ölpreis, der die Inflationssorgen schürte und gleichzeitig die Erwartungen einer restriktiveren Geldpolitik der Notenbanken verstärkte. Der jüngste Preisrückgang beim wichtigsten Rohstoff reduziert nun den Aufwärtsdruck auf die Zinsen und treibt spiegelbildlich die Kurse festverzinslicher Anlagen nach oben. Der nachlassende Teuerungsdruck könnte zusätzlich durch geringere Zolleffekte, einen moderaten Arbeitsmarkt sowie steigende Produktivitätsgewinne infolge des verstärkten Einsatzes künstlicher Intelligenz unterstützt werden.

Erwartungsgemäss hat die amerikanische Notenbank ihren Leitzins unverändert belassen. Im Mittelpunkt des Marktinteresses stand jedoch weniger der Zinsentscheid selbst als vielmehr die Personalie von Kevin Warsh. Als neuer US-Notenbankchef präsidierte er erstmals den geldpolitischen Offenmarktausschuss. Seine Aussagen wurden als klares Bekenntnis zur Inflationsbekämpfung und – falls erforderlich – zu weiteren Zinserhöhungen interpretiert. Zudem unterstrich er die Unabhängigkeit der US-Notenbank, was angesichts der bisherigen Einmischungsversuche von US-Präsident Donald Trump von den Finanzmärkten mit Erleichterung aufgenommen wurde.

Trotz der Entspannung an der Zinsfront zeichnen die Terminmärkte weiterhin das Bild restriktiv agierender Notenbanken. Für die meisten Zentralbanken werden bis Ende Jahr weiterhin restriktive Leitzinsen beziehungsweise vereinzelt weitere Zinserhöhungen erwartet. Zu Jahresbeginn waren die Märkte noch von stabilen oder leicht sinkenden Leitzinsen ausgegangen. Sollte sich der Inflationsdruck aufgrund der rückläufigen Energiepreise stärker als erwartet abschwächen, eröffnet dies zusätzliches Kurspotenzial für festverzinsliche Anlagen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die derzeitigen Erwartungen an die Geldpolitik im Nachhinein als zu restriktiv erweisen.

grafik performance obligationen

Performance Juni 2026 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF

Aktienmärkte

Die Aktienmärkte entwickeln sich nach wie vor äusserst erfreulich. Verschiedene Indizes notieren nahe oder auf Rekordniveau. Innerhalb der Sektoren hat sich allerdings eine gewisse Rotation vollzogen. Nicht mehr in erster Linie Unternehmen mit KI-Bezug führen die Performanceranglisten an. Defensivere Sektoren wie Gesundheit, Basiskonsum und Banken sowie Industrieunternehmen und Versorger haben die bisherigen Gewinner zumindest kurzfristig überflügelt. Besonders betroffen sind die sogenannten Hyperscaler. Offensichtlich werden die Marktteilnehmenden skeptischer gegenüber dem KI-Thema beziehungsweise den damit verbundenen Milliardeninvestitionen. Vom veränderten Anlegerfokus profitiert unter anderem der defensiv ausgerichtete Schweizer Aktienmarkt.

Die bevorstehende Berichtssaison zu den Zweitquartalsergebnissen könnte zum nächsten wichtigen fundamentalen Treiber für die globalen Aktienmärkte werden. Sinkende Wachstumsrisiken, rückläufige Energiepreise und ein nachlassender Inflationsdruck sorgen für die nötige fundamentale Unterstützung. Hinzu kommen weiterhin hohe Investitionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette der künstlichen Intelligenz. Die Gewinnaussichten bleiben insbesondere für den amerikanischen Aktienmarkt ausserordentlich gut. Angeführt von den grossen Technologieunternehmen wird den US-Gesellschaften im Vergleich zu ihren europäischen Pendants weiterhin eine überdurchschnittliche Gewinndynamik zugetraut.

In Europa hinkt das Gewinnwachstum dem US-Markt weiterhin hinterher und wird bislang vor allem von den Finanzinstituten getragen. Dies erklärt die im Vergleich tiefere Bewertung europäischer Aktien. Sinkende Zollunsicherheiten, ein tieferer Ölpreis, rückläufige Energiekosten und eine expansive Fiskalpolitik könnten diese Entwicklung künftig verbessern. In den Ergebnissen des zweiten Quartals dürfte sich dies allerdings noch nicht widerspiegeln. Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten verbreitert und neben Unternehmen mit KI-Bezug auch andere Sektoren verstärkt vom Anlegerinteresse profitieren.

grafik performance aktien

Performance Juni 2026 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF

Devisenmärkte

Die Zeichen deuten beim Schweizer Franken auf eine Entspannung des Aufwertungsdrucks hin. Die geopolitischen Risiken haben abgenommen, und die Zinsdifferenz zu den anderen Währungsräumen bleibt mindestens stabil (US-Dollar, Britisches Pfund) oder hat sogar zugenommen (Euro, Yen). Damit entwickelt sich die Lage ganz im Sinne der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die in ihrer jüngsten Lagebeurteilung keine Notwendigkeit für eine Anpassung ihrer Geldpolitik gesehen hat. Gleichzeitig betont sie weiterhin ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, falls sich der Franken beispielsweise aufgrund einer erneuten geopolitischen Eskalation zu stark aufwerten sollte.

Umgekehrt profitiert der US-Dollar von den Erwartungen mindestens stabiler oder sogar leicht steigender Leitzinsen. Zu Jahresbeginn war das Bild noch ein anderes, als die Märkte mehrheitlich von Zinssenkungen ausgingen. Ein höheres Zinsniveau erhöht die Attraktivität einer Währung und stärkt entsprechend deren Nachfrage. Davon profitiert derzeit auch der Euro, der dank der jüngsten Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) zumindest vorübergehend an Attraktivität gewonnen hat. Anders präsentiert sich die Situation beim japanischen Yen. Obwohl die Bank of Japan die Leitzinsen auf das höchste Niveau seit mehr als 30 Jahren angehoben hat, bleibt die japanische Währung unter Druck. Gegenüber dem US-Dollar hat der Yen den tiefsten Stand seit 1986 erreicht. Setzt sich diese Entwicklung fort, dürften früher oder später Devisenmarktinterventionen der japanischen Notenbank wahrscheinlicher werden. Die anhaltende Yen-Schwäche ist unseres Erachtens in erster Linie auf sogenannte Zinsdifferenzgeschäfte zurückzuführen, bei denen der Yen als Finanzierungswährung genutzt wird.

grafik performance devisen

Performance Juni 2026 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF 

Übrige Anlagekategorien

Das mögliche Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat den Ölpreis unter Druck gesetzt. Für eine nachhaltige Stabilisierung müssen sich allerdings zunächst Angebot und Nachfrage wieder normalisieren. In diesem Fall dürfte sich der Ölpreis auf einem im Vergleich zum Jahresbeginn leicht höheren Niveau einpendeln. Dieses dürfte jedoch weiterhin über dem Durchschnittspreis des Vorjahres von 68 USD liegen.

Die vollständige Normalisierung der Lieferengpässe wird Zeit in Anspruch nehmen. Die Infrastruktur muss wiederhergestellt und die Lagerbestände aufgefüllt werden. Preisdämpfend wirkt neben dem möglichen Kriegsende auch der Umstand, dass alternative Transportwege, darunter Pipelines, mittlerweile verstärkt Öl aus der Krisenregion befördern. Zudem haben einige Abnehmer ihre Energieimporte aus der Region dauerhaft zugunsten anderer Förderländer reduziert.

grafik performance übrige anlagen

Performance Juni 2026 (YTD dunkel eingefärbt) in %, Basis CHF

Schlussfolgerung

Nachdem der bisherige Jahresverlauf vor allem von den Wachstumsfantasien rund um das KI-Thema sowie der robusten US-Wirtschaft geprägt war, könnte die zweite Jahreshälfte wieder stärker von einer breiteren Marktentwicklung profitieren. Abnehmende geopolitische Risiken, ein tieferer Ölpreis und nachlassende Inflationssorgen würden dafür einen günstigen Nährboden schaffen. Das Hauptrisiko bleibt unseres Erachtens neben der politischen Unberechenbarkeit die Möglichkeit, dass die Inflationsraten auf einem erhöhten Niveau verharren. Eine solche Entwicklung würde die Notenbanken erneut auf den Plan rufen und zu einer weiteren geldpolitischen Straffung führen.

Ein wichtiges Fundament für steigende Aktien bleiben die positiven Gewinnaussichten der Unternehmen. Dadurch relativieren sich auch die teilweise ambitionierten Bewertungen. Gleichzeitig sehen wir auch bei den festverzinslichen Anlagen Potenzial für eine erfreuliche Performanceentwicklung. Insbesondere Fremdwährungsanleihen bieten mittlerweile eine attraktive Verzinsung. Dieses höhere Renditeniveau federt mögliche Kursverluste ab, falls die Zinsen entgegen unserer Erwartung weiter steigen sollten. Umgekehrt eröffnet sich zusätzliches Kurspotenzial, wenn sich die Inflationserwartungen als übertrieben erweisen und die Zinsen weiter sinken. Vor diesem Hintergrund neutralisieren wir unsere bisher untergewichtete Obligationenquote durch den Zukauf von Weltanleihen. 

Taktische Ausrichtung

Es wurden folgende Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.

  •  Erhöhung der Obligationen Welt hedged CHF zulasten der Liquidität.

grafik aktuelle anlagestrategie

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