Aktuelle Marktübersicht
Marktumfeld
Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat bisherige Markttreiber auf eindrückliche Weise überlagert und prägt seit Ende Februar das Marktgeschehen. Der koordinierte Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie die anschliessenden Vergeltungsschläge haben die globalen Finanzmärkte stark verunsichert. Die Preise für Öl, Gas und andere Energieträger stiegen deutlich, was Inflationssorgen schürt. Risikoanlagen wie Aktien reagierten mit klaren Kursverlusten, während sichere Häfen, darunter der Schweizer Franken, der US-Dollar und Gold, verstärkt nachgefragt wurden und an Wert zulegten.
Mit den höheren Energiepreisen wächst das Risiko, dass der seit Jahresbeginn gemäss Frühindikatoren zunehmende Konjunkturoptimismus vorzeitig gebremst wird. Zwar schwächte sich die US-Wirtschaft im vierten Quartal ab, dies war jedoch vor allem den Folgen des Regierungsstillstands geschuldet. Nachholeffekte, der anhaltende KI-Investitionsboom sowie geplante Steuererleichterungen dürften im ersten Quartal wieder zu einer Beschleunigung des US-Wachstums führen. Auch global hat sich die konjunkturelle Stimmung verbessert. In Europa hängt dies insbesondere mit einer positiveren Perspektive für das verarbeitende Gewerbe zusammen, das von steigenden Investitionen und tieferen Finanzierungskosten profitiert. Zusätzlich dürfte sich die stimulierende Wirkung höherer Staatsausgaben zunehmend bemerkbar machen.
Die erratische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump bleibt ein gewichtiger Risikofaktor. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA (Supreme Court) einen grossen Teil der Zölle für rechtswidrig erklärt hat, ist in der Handelspolitik erneut Unsicherheit entstanden. Offen bleibt, welche Folgen dies für bestehende bilaterale Abkommen hat, ob bereits erhobene Zölle zurückgefordert werden können und welche Auswirkungen die umgehend neu verhängten Zölle von 10 % bzw. 15 % haben. Die Klärung dieser Fragen wird Zeit in Anspruch nehmen und die zwischenzeitlich gewonnene Planungssicherheit der Unternehmen wieder einschränken.
Obligationenmärkte
Anleihen reagierten ebenfalls negativ auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen. Der Ölpreisanstieg erhöhte Inflationssorgen und trieb die Renditen in die Höhe, während die Kurse festverzinslicher Anlagen unter Druck gerieten. Ihr defensiver Charakter konnte daher nicht greifen, da es sich um einen angebotsseitigen Schock handelt. Die sichere Rolle von Obligationen entfaltet sich typischerweise eher bei steigenden Konjunkturrisiken, wenn Notenbanken zu Zinssenkungen tendieren.
Auf der geldpolitischen Seite könnte der Fokus nun stärker auf Inflationsrisiken liegen. Hält der Preisanstieg bei Energie längere Zeit an, könnten Zweitrundeneffekte wie höhere Güterpreise oder Löhne einsetzen und die Inflation auf einem höheren Niveau stabilisieren. Für die US- und die britische Notenbank würde dies bedeuten, dass Zinssenkungen verzögert erfolgen, in der Eurozone und in der Schweiz könnten Zinsschritte nach oben folgen. In Japan könnte eine Leitzinserhöhung vorgezogen werden. Dauert der Preisanstieg hingegen nur kurzfristig, dürften die Notenbanken die Inflationsspitzen tolerieren und den geldpolitischen Kurs beibehalten.
Performance Februar 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Aktienmärkte
Zum Jahresbeginn entwickelten sich die Aktienmärkte Europas und der Schwellenländer deutlich besser als die US-Märkte. Hintergrund waren Sorgen über hohe KI-Investitionen und potenzielle Verlierer zukünftiger KI-Anwendungen. Mit dem Ausbruch des Nahostkonflikts rückte jedoch die Energieversorgung in den Mittelpunkt der Gewinnperspektiven. Europa und Asien sind stark von Öl- und Gasimporten aus der Krisenregion abhängig, die USA hingegen sind Nettoexporteur und weniger betroffen. Entsprechend fiel die Korrektur an den Aktienmärkten in den stärker exponierten Regionen deutlicher aus.
Sektoral waren besonders Unternehmen unter Druck, deren Geschäftsmodelle durch KI stark verändert werden könnten, etwa Softwarefirmen sowie Gesellschaften aus Finanz-, Immobilien- und Logistikbereichen. Vor Ausbruch des Konflikts hatte dies bereits zu einer stärkeren Fokussierung auf europäische Märkte geführt, da dort die negativen KI-Auswirkungen als weniger gravierend eingeschätzt wurden.
Trotz der geopolitischen Überlagerung verlief die Berichtssaison zum vierten Quartal erfolgreich. Sowohl Umsatz- als auch Gewinnwachstum fielen positiv aus, wenn auch die Überraschungen gegenüber dem Vorquartal leicht geringer ausfielen. Auffällig bleibt, dass in den USA weiterhin die «Magnificent Seven»-Titel den Grossteil des Wachstums tragen, während europäische Unternehmen aufholen.
Performance Februar 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Devisenmärkte
Der Schweizer Franken steht als sicherer Hafen erneut unter Aufwertungsdruck; gegenüber dem Euro wurde die Marke von 90 Rappen unterschritten. Die SNB signalisierte Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt und verfügt durch eine Übereinkunft mit den USA über Spielraum, ohne als Währungsmanipulatorin zu gelten. Negativzinsen stehen derzeit nicht im Vordergrund, da die SNB die Kollateralschäden eines solchen Instruments betont hat.
Auch der US-Dollar profitierte als sicherer Hafen. Trotz Risiken aus dem Zollurteil und einem potenziell höheren Haushaltsdefizit stieg der Dollar, da Investorinnen und Investoren sich an die Unsicherheiten in der US-Handelspolitik gewöhnt haben. Die vorherige Abwertung hat den Dollar mittlerweile auf ein faires Niveau gebracht, und mit wieder gestiegenen Inflationssorgen rückt eine mögliche Zinssenkung der Fed weiter in die Ferne, sodass der Renditevorteil bestehen bleibt.
Performance Februar 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Übrige Anlagekategorien
Die Energiepreise für Öl, Gas, Heizöl und Benzin stiegen deutlich. Neben möglichen Schäden an der Infrastruktur liegen die Risiken vor allem in Transportbeschränkungen durch die Strasse von Hormus, über die rund 20 % des weltweiten Öl- und Gasverbrauchs laufen. Die sogenannte Kriegsprämie dürfte solange bestehen bleiben, wie der Konflikt anhält. Gold reagierte hingegen schwächer als erwartet, da Gewinnmitnahmen und ein stärkerer US-Dollar sowie steigende US-Zinsen die Attraktivität des Metalls vorübergehend einschränkten.
Performance Februar 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Schlussfolgerung
Der weitere Verlauf der Finanzmärkte hängt entscheidend von Dauer und Ausgang des Nahostkonflikts ab. Eine länger anhaltende Eskalation und hohe Energiepreise würden Wachstum und Inflation belasten und Wachstums- sowie Gewinnschätzungen nach unten drücken. Unser Basisszenario bleibt jedoch eine Stabilisierung innerhalb nützlicher Frist. Dann dürfte das konstruktive Marktumfeld wieder dominieren, gestützt von robustem globalem Wachstum, moderater Inflation, expansiver Fiskalpolitik und dem Spielraum der US-Notenbank für Zinssenkungen. Positiv ist zudem, dass die Kursentwicklung an den Aktienmärkten heute breiter abgestützt ist als in den Vorjahren.
Beschlüsse
Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.
Taktische Ausrichtung
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