Aktuelle Marktübersicht

Anlagepolitik vom 09.06.2026
Marktberichte | 12. Juni 2026

Marktumfeld

Das aktuelle Marktumfeld wird weiterhin von geopolitischen Risiken, steigenden Inflationssorgen, zunehmend restriktiv agierenden Notenbanken und höheren Zinsen geprägt. Und trotzdem eilen die Aktienmärkte allem Gegenwind zum Trotz von Rekord zu Rekord. Wie passt das zusammen? Ein robuster Binnenkonsum in Kombination mit den Investitions- und Wachstumsfantasien rund um das Thema künstliche Intelligenz bildet einen wirksamen Gegenpol. Auf diese Entwicklung konzentrieren sich derzeit vor allem die Aktienbörsen. Die Obligationenmärkte hingegen bilden die vorherrschenden Risikofaktoren deutlich stärker ab und stehen seit Wochen unter Preisdruck.

Die Aktienmärkte stufen die Belastungsfaktoren als temporär ein und fokussieren sich stärker auf die Zeit danach. Allerdings funktioniert diese Sichtweise nur bei einer baldigen Lösung des Irankonflikts, wenn der Ölpreis wieder sinkt und sich der wirtschaftliche Schaden in Grenzen hält. Andernfalls werden auch die Aktienmärkte von der Realität eingeholt: Zunehmende Zweitrundeneffekte befeuern die Inflation und sorgen für eine Lohn-Preis-Spirale, eine restriktivere Geldpolitik erhöht die Finanzierungskosten und die Weltwirtschaft wächst spürbar langsamer. All dies würde zu tieferen Kursen an den Aktienmärkten führen.

Aus wirtschaftlicher Sicht fällt weiterhin der robuste Konsum in den USA auf. Weder höhere Benzinpreise noch steigende Inflationsraten schränken derzeit die Ausgabefreude der Amerikanerinnen und Amerikaner ein. Allerdings begünstigen gewisse Sonderfaktoren diese Entwicklung: Steuergeschenke sowie höhere Häuser- und Aktienpreise sorgen für steigende Wohlstandseffekte und stärken die Kaufkraft der privaten Haushalte. Zudem präsentiert sich der Arbeitsmarkt nach wie vor sehr robust. Kritischer sieht es in anderen Regionen wie beispielsweise Europa aus, wo die Kombination aus gebremstem Wirtschaftswachstum und erhöhten Inflationsraten die Konsum- und Investitionslust dämpft und die stagflationären Risiken erhöht.

Obligationenmärkte

Die vorübergehende Erholung an den Obligationenmärkten darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aufwärtsdruck auf die Zinsen anhält. Mit zunehmender Dauer der geopolitischen Eskalation im Iran steigen die Inflationsrisiken und damit verbunden die Wahrscheinlichkeit einer restriktiveren Geldpolitik. Höhere Preise für Energie, Dünger und andere Rohstoffe machen sich bereits heute im Alltag bemerkbar. Besonders betroffen sind jene Länder, die stark von Energieimporten abhängig sind und derzeit eine neutrale Zinspolitik verfolgen. Dazu gehören neben gewissen Schwellenländern auch der Euroraum und das Vereinigte Königreich. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits mit einer ersten Zinserhöhung reagiert.

Insgesamt wird die Geldpolitik im laufenden Jahr im Vergleich zu 2025 weniger stark stimulierend oder gar bremsend auf die globale Wirtschaft und die Finanzmärkte wirken. Selbst in den USA, wo sich der Leitzins noch immer im restriktiven Bereich befindet, wird mittlerweile über eine Zinserhöhung spekuliert. Die Terminmärkte bilden einen solchen Zinsschritt bis Ende Jahr bereits ab. Das zu Jahresbeginn vorherrschende Narrativ sinkender Leitzinsen ist inzwischen vollständig verschwunden.

Der jüngste Renditeanstieg an den Anleihemärkten hat jedoch nicht nur mit höheren Inflationserwartungen zu tun. Es gibt auch strukturelle Faktoren, welche diese Entwicklung unterstützen. Dazu gehört die expansive Fiskalpolitik, deren direkte Folge eine stetig steigende Verschuldung vieler Staaten ist. Als Kompensation für die damit verbundenen Risiken verlangen Investorinnen und Investoren eine höhere Entschädigung für ihr Engagement. Gleichzeitig besteht in einzelnen Wirtschaftsbereichen, insbesondere bei Technologiekonzernen, ein erhöhter Kapitalbedarf zur Finanzierung neuer Infrastruktur. Dadurch wird Kapital zunehmend zu einem knappen Gut. Dieses Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führt ebenfalls zu höheren Renditen. Daraus lässt sich schliessen, dass der jüngste Renditeanstieg nicht ausschliesslich mit steigenden Inflationssorgen zusammenhängt und deshalb länger anhalten könnte.

grafik performance obligationen

Performance Mai 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Aktienmärkte

Die Aktienkurse zeigen sich weiterhin unbeeindruckt von den vorherrschenden geopolitischen und wirtschaftlichen Risiken und bewegen sich unbeirrt nach oben. Ein solides Gewinnwachstum der Unternehmen ist neben dem KI-Thema die treibende Kraft hinter der aktuellen Aktienhausse. Die jüngste Berichtssaison hat bestätigt, dass die hohen Erwartungen der Analysten durchaus berechtigt sind. Zu den Gewinnern gehören Regionen mit starkem KI-Bezug wie die USA, Japan, Taiwan oder Südkorea. Das Thema künstliche Intelligenz sorgt insbesondere in den Sektoren Technologie und Kommunikation für Euphorie. Vom Aufbau der notwendigen Infrastruktur profitieren aber auch Unternehmen aus dem Industriesektor.

Allerdings erfasst die gute Anlegerstimmung nicht alle Branchen und Regionen gleichermassen. Weil Europa insbesondere im innovativen Technologiebereich über wenige bedeutende Unternehmen verfügt, hinkt der europäische Gesamtmarkt seinen Pendants in den USA und Asien hinterher. Hinzu kommen strukturelle Belastungsfaktoren wie der Wandel im Automobilsektor. Aus Bewertungssicht erscheinen europäische Titel jedoch deutlich attraktiver als beispielsweise amerikanische KI-Unternehmen. Eine baldige Entspannung im Nahostkonflikt, eine defensive Anlegerpositionierung sowie eine expansive Fiskalpolitik sprechen neben der attraktiven Bewertung für europäische Aktien und könnten den Rückstand gegenüber anderen Märkten künftig wieder verringern.

grafik performance aktien

Performance Mai 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Devisenmärkte

Obwohl der Franken jüngst wieder etwas unter Druck geraten ist, bleibt die Aufwertungstendenz intakt. Politische Sicherheit, Haushalts- und Schuldendisziplin, tiefe Inflationsraten sowie wirtschaftliche Stabilität sind nur einige der strukturellen Faktoren, die für ein anhaltendes Investoreninteresse sprechen. Betrachtet man die nominelle Wechselkursentwicklung gegenüber den wichtigsten Handelspartnern, war die Aufwertung in den letzten fünf Jahren sehr ausgeprägt. Berücksichtigt man jedoch die Inflationsdifferenzen, präsentiert sich das Bild differenzierter. Die Schweiz weist weltweit eine der tiefsten Inflationsraten auf, was gemäss dem ökonomischen Konzept der Kaufkraftparität eine gewisse Höherbewertung zulässt. Darauf verweist auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) regelmässig, um ihre Zurückhaltung bei Devisenmarktinterventionen zu rechtfertigen. Zudem hat die jüngste geopolitische Krise mit steigenden Energiepreisen gezeigt, dass ein starker Franken inflationstreibenden Effekten entgegenwirken kann. Deshalb ist auch künftig mit einer graduellen Aufwertung unserer Heimwährung zu rechnen. 

grafik performance devisen

Performance Mai 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF 

Übrige Anlagekategorien

Der Ölpreis hat in den letzten Wochen spürbar an Wert eingebüsst und nimmt damit eine mögliche Einigung der Kriegsparteien im Nahostkonflikt teilweise vorweg. Vor allem die Öffnung der Strasse von Hormus und damit eine Normalisierung der aktuellen Lieferengpässe stehen diesbezüglich im Fokus. Allerdings ist davon auszugehen, dass der Erdölpreis auch nach einem Ende des Konflikts auf einem deutlich höheren Niveau als zu Jahresbeginn bleiben wird. Dafür sprechen eine zerstörte Infrastruktur, leere Lagerbestände und «gestrandete» Tanker. Eine Normalisierung der Versorgungslage wird daher Zeit benötigen.

Die Schweizer Immobilienfonds zeigen sich in diesem Jahr ungewohnt volatil. Neben den Inflationssorgen und leicht höheren Zinsen bereitet den Investorinnen und Investoren vor allem die stetige Ausweitung des Angebots bei indirekten Immobilienanlagen Sorgen. Fondsgesellschaften nutzen das positive Marktumfeld für Kapitalerhöhungen und Neuemissionen, um das verwaltete Vermögen und damit auch die Gebühreneinnahmen zu steigern. Können die zusätzlichen Mittel jedoch nicht ähnlich renditeträchtig wie bisher investiert werden, drohen Verwässerungseffekte. Fundamental präsentiert sich der Immobilienmarkt weiterhin robust und profitiert von einem anhaltenden Nachfrageüberhang, insbesondere im Wohnungssegment.

grafik performance übrige anlagen

Performance Mai 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF 

Schlussfolgerung

Die aktuelle Gemengelage teilweise gegenläufiger Einflussfaktoren spricht gegen einen eindeutigen Trend an den Finanzmärkten. Eine einseitige Positionierung der Anlagen erscheint deshalb weiterhin nicht angebracht. Zu gross ist die Gefahr, dass sich Risikofaktoren wie eine geopolitische Eskalation, eine übermässige Abkühlung der globalen Wirtschaft oder eine Entankerung der langfristigen Inflationserwartungen materialisieren. Zudem bilden insbesondere die Aktienmärkte ein freundliches Umfeld ab, das sich in der Realität deutlich weniger konstruktiv darstellt und deshalb Enttäuschungspotenzial birgt. Gleichzeitig spiegeln die Obligationenmärkte mit ihren höheren Renditen und gestiegenen Risikoprämien ein deutlich vorsichtigeres Szenario wider. Die unterschiedliche Einschätzung der Lage durch Aktien- und Anleihenmärkte verdeutlicht die aktuell hohe Unsicherheit über den weiteren wirtschaftlichen Verlauf.

Umgekehrt dürfen Erfolgsfaktoren wie die künstliche Intelligenz, der robuste Zustand der US-Wirtschaft oder eine weltweit expansive Industriepolitik nicht ignoriert werden. Sie sprechen trotz der aktuellen Herausforderungen für ein weiterhin konstruktives mittel- bis langfristiges Umfeld und bieten attraktive Anlagechancen. Deshalb gilt es weiterhin, beim Anlegen eine zweigleisige Strategie zu verfolgen und robuste Portfoliobausteine wie Anleihen, Gold oder Rohstoffe mit attraktiven Renditetreibern wie Aktien zu kombinieren. Wir bleiben deshalb in unserer taktischen Ausrichtung nahe an der strategischen Vorgabe. Eine breite Länder- und Sektorallokation sorgt dabei für die notwendige Risikostreuung, ohne auf Renditechancen verzichten zu müssen. 

Beschlüsse

Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.

Taktische Ausrichtung

grafik aktuelle anlagestrategie

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