Aktuelle Marktübersicht
Marktumfeld
Positive Unternehmensausblicke, hohe Ergebnisse im Technologie- und Halbleitersektor sowie eine stärkere Wirtschaft haben in der ersten Jahreshälfte trotz aller geopolitischen Widrigkeiten für deutlich steigende Aktienmärkte gesorgt. Die Folge waren wiederholt neue Rekordstände. Auch ein neuer US-Notenbankchef, die weiterhin unklaren Zollverhältnisse oder die Angst vor einer KI-Spekulationsblase sorgten jeweils nur vorübergehend für tiefere Kurse. Gleiches gilt für das erhöhte Renditeniveau, das einerseits die Inflationssorgen, andererseits aber auch die Bedenken hinsichtlich der steigenden Staatsverschuldung widerspiegelt.
Wie den bisher veröffentlichten Daten zu entnehmen ist, hat sich die globale Wirtschaft im zweiten Quartal besser entwickelt als erwartet. Die negativen Folgen des Iran-Konflikts und der damit verbundene Anstieg der Energiepreise bremsten das Wachstum weniger stark als befürchtet. Dies gilt sowohl für Europa als auch für die USA und Asien. Die beiden letztgenannten Regionen profitierten zudem von den umfangreichen Investitionsausgaben entlang der KI-Wertschöpfungskette.
Der Konjunkturausblick für die kommenden Monate bleibt aufgrund der geopolitischen Unsicherheiten zwar vorsichtig. Gleichzeitig haben Konsumentinnen und Konsumenten sowie Unternehmen bewiesen, dass sie mit erschwerten Rahmenbedingungen wie höheren Energiepreisen und steigenden Inflationsraten vergleichsweise gut umgehen können. Auch die jüngsten Umfragen unter den Einkaufsmanagern deuten auf eine weiterhin solide Entwicklung sowohl im Dienstleistungsbereich als auch im verarbeitenden Gewerbe hin. Positiv ist zudem, dass die Investitionen ausserhalb des KI-Bereichs an Dynamik gewinnen und sich damit eine willkommene Breitenwirkung für die Wirtschaft entfaltet.
Obligationenmärkte
In den USA ist die Zinskurve seit Ende Juni spürbar steiler geworden. Kurzfristig rechnen die Märkte mit einer weniger restriktiven Geldpolitik, verlangen für mittel- und langfristige Anlagen jedoch eine höhere Kompensation für zukünftige Inflationsrisiken. Auch die stetig steigende Staatsverschuldung dürfte zu dieser höheren Risikoentschädigung beitragen. Diese Entwicklung strahlt in abgeschwächter Form auch auf andere Regionen aus und hat vielerorts zu Kursverlusten bei festverzinslichen Anlagen geführt.
Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die weiterhin unberechenbare Lage im Nahen Osten. Die Waffenruhe ist fragil und die Schifffahrt durch die Meerenge von Hormus bleibt stark eingeschränkt. Entsprechend volatil entwickelt sich der Ölpreis, während der Inflationsausblick unsicher und der geldpolitische Kurs der Notenbanken schwer vorhersehbar bleibt.
Die Notenbanken halten sich mit geldpolitischen Anpassungen weiterhin zurück. Die US-Fed hat an ihrer letzten Sitzung den Leitzins erwartungsgemäss unverändert bei 3,50 bis 3,75 % belassen. Allerdings stimmten erstmals drei Mitglieder für eine Zinserhöhung. Auch die anderen massgebenden Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England und die Bank of Japan haben ihre geldpolitische Ausrichtung weitgehend unverändert belassen. Zu unsicher sind angesichts der geopolitischen Lage und des volatilen Ölpreises die zukünftigen Inflationsaussichten. Die Zinshüter bleiben deshalb datenabhängig und beurteilen die Situation an jeder Sitzung neu.
Performance Juli 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Aktienmärkte
Die aktuelle Berichtssaison zu den Zweitquartalsergebnissen ist bisher sehr erfreulich verlaufen. Sowohl in den USA als auch in Europa übertrafen die Unternehmen die Gewinn- und Umsatzprognosen der Analysten deutlich. Die positiven Überraschungen sind breit abgestützt und werden von einer überdurchschnittlich hohen Zahl von Unternehmen getragen. Auffallend ist zudem, dass der Gewinnwachstumsvorsprung der USA gegenüber Europa im zweiten Quartal abgenommen hat.
Europäische Unternehmen verzeichnen die besten Quartalsergebnisse seit Ende 2022. Geholfen haben unter anderem die verbesserte Konjunkturoptik und die moderatere Inflationsentwicklung. Zudem ist die Branchenstruktur Europas weniger stark von einzelnen Sektoren abhängig als jene der USA, wo Unternehmen entlang der KI-Wertschöpfungskette stark dominieren. Der positive Trend für Europa könnte sich angesichts der moderaten Bewertungen, solider Bilanzen und einer attraktiven Ausschüttungspolitik fortsetzen.
Steigende Aktienkurse im Gleichlauf mit einer positiven Ergebnisentwicklung haben im bisherigen Jahresverlauf für eine weitgehend stabile Bewertung gesorgt. Damit sind die Kursgewinne fundamental gut abgestützt. Zwar wird die Dynamik weiterhin massgeblich von Technologie-, Energie- und Finanzunternehmen getragen, doch hat sie sich zwischen Regionen und Sektoren zunehmend verbreitert. Insbesondere die Dominanz der grossen Technologiewerte nimmt ab: Bereinigt um Sondereffekte wächst der Gewinn der «Magnificent 7» inzwischen langsamer als jener des übrigen S&P 500. Diese breitere fundamentale Abstützung spricht für eine zunehmend ausgewogene Marktstruktur.
Performance Juli 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Devisenmärkte
Der Schweizer Franken wird trotz anhaltender Unsicherheiten weniger stark als in früheren vergleichbaren Phasen als sicherer Hafen nachgefragt. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Risiken bislang nur begrenzt auf die Finanzmärkte auswirken und deshalb kein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis der Investorinnen und Investoren besteht. Der Anlegerfokus liegt verstärkt auf der Rendite und damit auf Währungen mit vergleichsweise hoher Verzinsung. Dazu gehören neben dem britischen Pfund und dem australischen Dollar auch der US-Dollar.
Der Greenback hat sich seit seinem starken Einbruch in der ersten Jahreshälfte 2025 mittlerweile stabilisiert. Vor allem in diesem Jahr konnte er sich gegenüber einer Mehrheit der wichtigen Währungen sogar aufwerten. Sofern die US-Notenbank ihre restriktivere Haltung beibehält und die geopolitischen Risiken sowie die Rohstoffpreise hoch bleiben, könnte sich dieser Trend fortsetzen. Eine Entspannung würde der Fed umgekehrt mehr Spielraum für Zinssenkungen geben und die Attraktivität des US-Dollars mittelfristig schwächen.
Auch der japanische Yen ist seit längerer Zeit ein «Opfer» des Renditehungers der Investorinnen und Investoren. Verstärkt wird die Kursschwäche durch sogenannte Carry-Trades, bei denen sich Marktteilnehmende in tiefverzinslichen Währungen wie dem Yen verschulden und die Mittel in höher verzinsliche Währungen investieren. Jüngst ist der Abwertungsdruck auf den Yen so gross geworden, dass er gegenüber dem US-Dollar im Juli ein 40-Jahres-Tief von knapp 164 erreichte. Japan und die USA intervenierten daraufhin gemeinsam am Devisenmarkt, um den Yen zu stabilisieren. Allerdings ist zu bezweifeln, dass diese Kursstabilisierung nachhaltig ist. Dazu wäre eine restriktivere Ausrichtung der japanischen Geldpolitik erforderlich, die angesichts der erhöhten Inflation weiterhin vergleichsweise locker ist.
Performance Juli 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Übrige Anlagekategorien
Ein schwächerer US-Dollar und anhaltende Käufe der chinesischen Notenbank haben dem Goldpreis zu einem weiteren Anstieg verholfen. Zuvor litt das ertraglose Edelmetall vor allem unter den erhöhten Realzinsen sowie der Stärke der amerikanischen Währung. Wie nachhaltig die Kurserholung ist, hängt zu einem grossen Teil von der US-Notenbank ab. Eine unveränderte oder lockerere Geldpolitik würde einen weiteren Anstieg des Goldpreises unterstützen. Positiv wirken könnten zudem verstärkte Notenbankkäufe ausserhalb Chinas, geopolitische Unsicherheiten und ein erhöhtes Diversifikationsbedürfnis der Anlegerinnen und Anleger.
Die Entwicklung der Rohstoffpreise bleibt vorerst äusserst volatil. Dies hat vor allem mit dem Ölpreis zu tun, der in Abhängigkeit von der Lage rund um die Meerenge von Hormus beinahe täglich die Richtung ändert. Die angespannte Versorgungslage wird zusätzlich durch die anhaltende Hitzewelle in Europa beeinflusst. Der Wassermangel hat zu tiefen Pegelständen auf wichtigen Versorgungsrouten geführt. Als Folge davon haben sich die Frachtgebühren deutlich erhöht und gewisse Lieferungen verzögert.
Performance Juli 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF
Schlussfolgerung
Als positive Haupttreiber für die Aktienmärkte lassen sich weiterhin eine solide Konjunkturentwicklung und steigende Unternehmensergebnisse ausmachen. Sollte sich zudem die geopolitische Lage nachhaltig beruhigen, könnte ein tieferer Ölpreis die Inflationssorgen mindern und den Druck auf die Notenbanken reduzieren. Im Fall der US-Notenbank wäre dann sogar denkbar, dass die zu Jahresbeginn erwartete Zinssenkung wieder in den Vordergrund rückt. Dies würde die teilweise hohe Bewertung der Aktien relativieren und könnte den Aktienmärkten zusätzlichen Schub verleihen. Der Ausblick für die Aktienmärkte bleibt damit konstruktiv, auch wenn geopolitische Risiken und die hohe Bewertung weiterhin für Gegenwind sorgen.
Auch die Anleihenmärkte würden von einem solchen Szenario profitieren. Nachlassender Zinsdruck bedeutet im Umkehrschluss höhere Kurse für festverzinsliche Anlagen. Unabhängig davon präsentieren sich die Renditen insbesondere bei Anlagen in Fremdwährungen mittlerweile attraktiv. Die zunehmende Steilheit der Zinskurven hat dazu geführt, dass vor allem eine mittel- bis langfristige Bindungsdauer wieder interessant ist. Damit relativieren sich auch mögliche Kursbewegungen, die angesichts der bestehenden Inflationsrisiken und geldpolitischen Unsicherheiten kurzfristig weiterhin auftreten können.
Taktische Ausrichtung
Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.
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