Aktuelle Marktübersicht

Anlagepolitik vom 08.09.2026
Marktberichte | 11. September 2026

Marktumfeld

Die vergangenen Wochen hatten es mit Blick auf den Nachrichtenfluss in sich, auch wenn sich dies in der Kursentwicklung der wichtigsten Anlageklassen nur bedingt widerspiegelt. Neben der erneuten Eskalation im Nahen Osten, fortlaufenden Inflationssorgen aufgrund höherer Energiepreise und einer erfreulichen Gewinndynamik der Unternehmen sorgte vor allem der teils markante Renditeanstieg an den Obligationenmärkten für Gesprächsstoff. Insbesondere die stetig zunehmende Staatsverschuldung entwickelt sich immer mehr zu einem Risikofaktor und hat dazu beigetragen. Dies hat das US-Finanzministerium offenbar dazu veranlasst, sein Aufkaufprogramm für langfristige Staatsanleihen deutlich zu erhöhen, um dem jüngsten Renditeanstieg entgegenzuwirken.

Wirtschaftlich betrachtet läuft es weiterhin gut. Der wichtigste Wachstumstreiber sind, in den USA wie auch ausserhalb davon, die Investitionen entlang der KI-Infrastruktur. Die Vorlauf- und Stimmungsindikatoren fallen auch in bislang eher zurückhaltend wachsenden Wirtschaftsräumen wie der Eurozone, Grossbritannien oder Japan zunehmend positiv aus. Diese Regionen litten nach Ausbruch des Irankonflikts verstärkt unter höheren Energiepreisen. Vor allem das verarbeitende Gewerbe profitiert vom Lageraufbau, vom globalen Investitionszyklus, von erhöhten Verteidigungsausgaben und vom fiskalpolitischen Rückenwind.

Die Inflationsraten bleiben in einer Mehrheit der grossen Volkswirtschaften erhöht. Allerdings beschränkt sich der Aufwärtsdruck grösstenteils auf die Preise für Energie und Nahrungsmittel, was im unmittelbaren Zusammenhang mit der geopolitischen Lage steht. Ausserhalb dieser beiden volatilen Komponenten entwickeln sich die Preise moderat, und Zweitrundeneffekte sind bislang grösstenteils ausgeblieben. Das erklärt, weshalb sich die Notenbanken mit einer konsequenteren Inflationsbekämpfung schwertun. Ein vorübergehender Teuerungsanstieg ist aus geldpolitischer Sicht tolerierbar. Verfestigen sich allerdings erhöhte Inflationserwartungen, werden Lohnforderungen lauter, und eine gefährliche Lohn-Preisspirale kann in Gang kommen. Die Ereignisse nach der Pandemie sind diesbezüglich noch in schmerzlicher Erinnerung.

Obligationenmärkte

Der deutliche Renditeanstieg führte an den Obligationenmärkten zu empfindlichen Kursverlusten. Ausgehend von den USA haben sich die Zinssätze für mittlere und lange Laufzeiten spürbar erhöht. Die Auslöser waren vielfältig: Steigende Energiekosten sorgen für höhere Inflationserwartungen, hinzu kommen zunehmende Sorgen um die weltweit steigende Staatsverschuldung sowie restriktiver agierende Notenbanken. Zusätzlich weisen die sogenannten Hyperscaler, das heisst Anbieter von Cloud-Computing-Diensten, beim Ausbau der KI-Infrastruktur einen enormen Kapitalhunger auf, der zunehmend mit dem Finanzierungsbedarf der Staaten konkurriert und das begrenzte Angebot zusätzlich verteuert.

Um dem ungebremsten Renditeanstieg entgegenzutreten, sah sich das US-Finanzministerium jüngst offenbar veranlasst, verstärkt eigene Anleihen aufzukaufen. Stetig steigende Staatsschulden führen bei den Geldgebern zur Forderung nach einer höheren Risikoentschädigung, was den bereits hohen Schuldendienst der USA zusätzlich verteuert. Ein steigendes Staatsdefizit aufgrund einer grosszügigen Ausgabenpolitik bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen, beispielsweise infolge von Steuersenkungen, stellt nicht nur in den USA eine Herausforderung dar. Auch in vielen Ländern Europas sowie in Japan sind ähnliche Entwicklungen zu beobachten. Mittel- und langfristig ist der Versuch der USA, sich den Marktkräften zu entziehen, allerdings eher Symptombekämpfung. Das Rückkaufvolumen ist begrenzt, und die eigentliche Ursache bleibt ungelöst. Das Verschuldungsproblem wird sich langfristig nur mit einer nachhaltigeren Fiskalpolitik entschärfen lassen.

grafik performance obligationen

Performance August 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Aktienmärkte

Der jüngste Zinsanstieg an den Rentenmärkten ist bislang verhältnismässig schadlos an den Aktienbörsen vorübergegangen. Grundsätzlich üben höhere Renditen einen negativen Einfluss auf Beteiligungspapiere aus: Steigende Diskontierungssätze führen zu einem tieferen Barwert zukünftiger Erträge und belasten damit die Bewertungen, höhere Renditen machen Zinspapiere zunehmend zu einer Aktienalternative. Die Kapitalaufnahme wird damit für Unternehmen, insbesondere im KI-Bereich, spürbar teurer. All dies hat bislang nicht zu tieferen Kursen geführt, was vor allem mit der soliden Wirtschaftslage sowie der positiven Gewinnentwicklung der Unternehmen zu tun hat. Insbesondere der anhaltende KI-Investitionszyklus sorgt für ein solides wirtschaftliches Fundament, von dem auch viele Unternehmen ausserhalb dieses Bereichs profitieren.

Aus fundamentaler Sicht sind die höheren Aktienkurse gut untermauert. Eine erfolgreiche Berichtssaison fand mit Nvidia jüngst einen krönenden Abschluss. Das prägende Unternehmen im anhaltenden KI-Boom hat erneut ein eindrückliches Quartalsergebnis geliefert und die hohen Erwartungen übertroffen. Allerdings gibt es weiterhin berechtigte Bedenken bezüglich des KI-Hypes, etwa hinsichtlich der gegenseitigen Verflechtungen innerhalb der Industrie, der zunehmend kreditfinanzierten Investitionen und des noch ausstehenden Nachweises, dass sich der Aufbau der KI-Infrastruktur langfristig in Gewinne umwandeln lässt. Zudem sind das KI-Segment respektive die entsprechenden Investitionen zu einer tragenden Säule der Wirtschaft geworden, nicht nur in den USA, was eine gewisse Abhängigkeit mit sich bringt.

grafik performance aktien

Performance August 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Devisenmärkte

Der Schweizer Franken steht in diesem Jahr unerwartet unter Abwertungsdruck. Eine Hauptursache ist die grosse Zinsdifferenz zu den wichtigsten anderen Währungen. Das reduziert seine Attraktivität für Investorinnen und Investoren. Umgekehrt macht ihn genau dieser Umstand für Spekulantinnen und Spekulanten interessanter. Bei sogenannten Carry-Trades werden Tiefzinswährungen verkauft und die Mittel in Regionen mit höherer Rendite angelegt. Bislang stand diesbezüglich vor allem der Yen zur Finanzierung im Vordergrund. Mit dem jüngsten Zinsanstieg in Japan hat sich der Fokus der Anlegerinnen und Anleger jedoch teilweise verändert. Allerdings könnte eine Rückkehr zur Frankenstärke rasch zur Glattstellung solcher Positionen und damit zu einer erhöhten Frankennachfrage führen. Die Folge wäre eine deutliche Aufwertung.

Der US-Dollar leidet unter anderem unter dem Versuch der US-Regierung, die mittel- und langfristigen Renditen mit Anleihekäufen zu senken. Neben einer sinkenden Renditeattraktivität kann ein solcher Markteingriff auch das Vertrauen der Investorinnen und Investoren belasten. Der japanische Yen liefert diesbezüglich ein anschauliches Beispiel aus der Vergangenheit. Jahrelang hielt die japanische Notenbank zur Stärkung der Wirtschaft und im Kampf gegen die Deflation das Renditeniveau künstlich tief. In der Folge wertete sich der Yen in dieser Zeit deutlich ab und halbierte sich gegenüber dem US-Dollar seit 2011 wertmässig sogar nahezu.

grafik performance devisen

Performance August 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Übrige Anlagekategorien

Rohstoffe bleiben eine attraktive Portfolioergänzung mit positivem Renditepotenzial. Geopolitische Unsicherheiten haben nicht nur bei den Energieträgern zu steigenden Notierungen geführt. Auch Agrargüter haben sich aufgrund der jüngsten Entwicklung im Ukraine-Konflikt verteuert. Zusätzlich wurden die Preise durch klimatische Faktoren wie den Hitzesommer befeuert. Industriemetalle wiederum profitieren von umfangreichen Infrastrukturausgaben sowie einer zunehmenden Elektrifizierung.

Trotz positiver Entwicklung des Realmarkts kommen die Schweizer Immobilienfonds in diesem Jahr nicht richtig auf Touren. Ein einzelner Grund lässt sich dafür nicht ausmachen. Vielmehr ist es eine Vielzahl kleinerer Faktoren, die für die bisherige Entwicklung ausschlaggebend sind: die historisch betrachtet überdurchschnittliche Bewertung, höhere Finanzierungskosten, zahlreiche Kapitalerhöhungen mit der steigenden Gefahr eines negativen Verwässerungseffekts sowie der politische Druck im Zusammenhang mit einer möglichen Ausdehnung der Lex Koller auf indirekte Immobilienanlagen. Wir rechnen allerdings nicht mit einer nachhaltigen Trendwende und bleiben von den positiven Renditeeigenschaften dieser Anlageklasse überzeugt.

grafik performance übrige anlagen

Performance August 2026 (YTD dunkel) in %, Basis CHF

Schlussfolgerung

Die insgesamt nur wenig veränderte Ausgangslage spricht weiterhin für eine ausgewogene Anlagestruktur. Das wirtschaftliche Umfeld bleibt zwar robust, gleichzeitig haben die Risiken im Zusammenhang mit Zinsen, Staatsverschuldung, Geopolitik und der hohen Abhängigkeit vom KI-Investitionszyklus zugenommen. Gerade in einem solchen Umfeld erscheint ein breit diversifiziertes Portfolio über Anlageklassen, Regionen und Sektoren hinweg weiterhin als der überzeugendste Ansatz. Aktien bleiben der wichtigste Renditetreiber, während Obligationen trotz der jüngsten Verluste einen stabilisierenden Diversifikationsbeitrag leisten können. Ergänzende Anlagen wie Immobilienfonds und Rohstoffe bleiben aus Portfoliosicht sinnvoll. Insgesamt bleiben wir nahe an den strategischen Vorgaben positioniert.

Taktische Ausrichtung

Es wurden keine Änderungen der taktischen Ausrichtung vorgenommen.

grafik aktuelle anlagestrategie

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