Aargauer Konjunkturbarometer
Der Aargauer Konjunkturbarometer, herausgegeben von der Aargauischen Kantonalbank (AKB) und der Standortförderung Kanton Aargau, steigt im Juli kräftig um 3,2% beziehungsweise 3,3 Punkte auf 104,3 Punkte. Damit liegt der kantonale Index klar über seinem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten und gewinnt zum sechsten Mal in Folge an Boden. Gegenüber Juli 2025 beträgt der Zuwachs 8,1% beziehungsweise 7,8 Punkte. Der Swiss Index legt im Monatsvergleich mit 3,7% auf 101,3 Punkte zu.
Der Kanton Aargau bleibt resilient
Die Konstellation der Vormonate bestätigt sich. Die Aargauer Wirtschaft behauptet in einer Phase erhöhter geopolitischer Unsicherheit ihre Rolle als Stabilitätsanker und wächst im Jahresvergleich deutlich schneller als der nationale Referenzindex.
Logistik und Verkehr als Zugpferd
Stärkster Treiber im Juli ist die Komponente Logistik und Verkehr, die im Aargauer Index erheblich zulegt. Diese Komponente beruht weitgehend auf separaten kantonalen Daten. Ausgewertet werden für den Güterverkehr die ASTRA-Messstellen im Aargau sowie «Einflugschneisen», während der Swiss Index (+1,7%) auf den gesamtschweizerischen Schwerverkehr abstellt. Konkret: Der Güterverkehr im Kanton Aargau lag im Berichtsmonat 8,9% über dem Vorjahr und damit fast doppelt so hoch wie der nationale Vergleichswert von +4,7%.
International stützt die Luftfracht den positiven Trend: Das weltweite Frachtaufkommen stieg gemäss IATA — auch dank der Rückkehr der Nahost-Netzwerke in die Wachstumszone, trotz weiterhin angespannter Sicherheitslage.
LKW-Verkäufe im Plus
Die Verkäufe schwerer Nutzfahrzeuge liegen im Jahresverlauf 5,8% über der Vorjahresperiode. Die Dynamik hat sich gegenüber dem Frühjahr weiter abgeflacht, bleibt als Frühindikator für Investitionstätigkeit und Logistik aber positiv. Die Autoverkäufe verzeichneten im Juli gemäss den Originaldaten von Auto Schweiz dagegen einen Rückgang von 3,2% gegenüber dem Vorjahr; seit Jahresbeginn resultiert noch ein Plus von 2,1%.
Die Fahrzeugkomponente gibt im Aargauer Konjunkturbarometer gegenüber dem Vormonat etwas nach. Sie basiert in beiden Indikatoren auf denselben gesamtschweizerischen Daten, ist im Aargauer Index mit 10% gegenüber dem Swiss Index (7,5%) jedoch übergewichtet — eine Referenz an die Bedeutung der Auto- und Logistikbranche im Kanton.
Industrie konsolidiert auf Wachstumskurs
Die Industriekomponente tritt im Monatsvergleich praktisch auf der Stelle, liegt im Jahresvergleich aber im Plus. Die Daten sind mit dem Swiss Index identisch; im Aargauer Index ist die Industrie mit 22,5% gegenüber 15% aber deutlich übergewichtet — entsprechend der industriellen Prägung des Kantons. Der schweizerische Einkaufsmanagerindex (PMI) von procure.ch und UBS notierte im Juli mit 53,2 Punkten den fünften Monat in Folge über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, gab gegenüber dem Vormonat aber 1,1 Punkte nach. Auffällig: Die Komponenten Einkaufspreise (74,2) und Lieferfristen (62,9) sind seit Ausbruch des Nahost-Konflikts um fast 20 respektive 10 Punkte gestiegen — die Belastung der globalen Lieferketten bleibt spürbar. Der Dienstleistungs-PMI sprang derweil um 4,1 auf 63,9 Punkte, den höchsten Stand seit August 2017.
Neue Unsicherheit schaffen die USA. Im Juli wurde der Zollsatz auf Schweizer Exporte effektiv von 10 auf 12,5% erhöht. International bleibt die Lage konstruktiv: Der globale Manufacturing PMI von J.P. Morgan hält sich mit 52,1 Punkten den zwölften Monat in Folge in der Wachstumszone. Der von der AKB errechnete exportgewichtete internationale PMI liegt unverändert bei 52 Punkten.
Arbeitsmarkt: Geschäftsklima leicht gedämpft
Die Komponente Geschäftsklima (Job-Angebot) gibt im Aargauer Index minim nach. Sie beruht — bei gleicher Gewichtung von 15% in beiden Indikatoren — auf separaten Aargauer Job-Daten, während der Swiss Index das nationale Job-Angebot abbildet. Gemäss SECO stieg die Arbeitslosenquote der Schweiz im Juli um 0,1 Prozentpunkte auf 3,0%; im Kanton Aargau verharrte sie bei 3,2% (hier jedoch ohne Saisonbereinigung).
Vertrauen kehrt zurück, Finanzmärkte robust
Deutlich aufgehellt hat sich die Stimmung. Das Investorenvertrauen verbesserte sich im Monatsvergleich um 14,6%, das Konsumentenvertrauen um 12,8% — die im Vormonat beobachtete Spreizung zwischen zuversichtlichen Anlegern und vorsichtigen Konsumenten hat sich damit geschlossen. Die Daten sind in beiden Indikatoren identisch; im Aargauer Index ist die Komponente mit 15% gegenüber dem Swiss Index (17,5%) leicht untergewichtet.
Die Finanzmarktkomponente steigt und die Volatilität an den wichtigsten Märkten ging im Monatsvergleich nochmals zurück. Der Juli war von einer markanten Sektorrotation geprägt: Energie- und Finanzwerte legten zu, während Halbleiteraktien deutlich korrigierten; Fed und EZB beliessen ihre Leitzinsen unverändert. Auch diese Komponente basiert auf identischen Daten (Large Caps), ist im Aargauer Index mit 7,5% gegenüber dem Swiss Index (17,5%) allerdings klar untergewichtet — der regionale Barometer reagiert damit weniger sensitiv auf Finanzmarktschwankungen.
Aussenhandel dreht klar ins Plus
Der Aussenhandel — in beiden Indikatoren auf Basis der gesamtschweizerischen Daten berechnet, im Aargauer Index mit 10% gegenüber 7,5% übergewichtet — legt im Monatsvergleich zu und liegt im Jahresvergleich im Plus. Die jüngsten Daten des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit zeigen eine nominal kräftige Erholung. Nach vier rückläufigen Quartalen stiegen die Schweizer Exporte im zweiten Quartal 2026 saisonbereinigt um 8,8% auf 73,2 Milliarden Franken. Preisbereinigt fiel das Plus mit 0,6% deutlich verhaltener aus. Die Importe nahmen nominal um 4,9% und real um 1,5% zu. Die Erholung ist somit sichtbar, bleibt in realer Betrachtung aber fragil. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die neuen US-Zölle auf Schweizer Exporte. Die neue US-Zollrunde bleibt das zentrale Abwärtsrisiko für die exportorientierten Branchen.
Die Medien-Resonanz schliesslich beruht auf separaten Datenauswertungen für den Kanton respektive die Schweiz. Im Aargauer Index gibt die Komponente leicht nach, bleibt mit einem Rückgang der Rezessionsnennungen von 10,7% im Jahresvergleich aber klar konstruktiv. Im Schweizer Vergleichsindex ist dieses Angstbarometer sogar doppelt so stark gesunken.
Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau:
Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Standortförderung Kanton Aargau einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.
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