FC Aarau

Am Freitag 4. September 2026, gewann der FC Aarau gegen Rapperswil Jona mit 3:2. Knapp 4000 Zuschauerinnen und Zuschauer waren im altehrwürdigen Brügglifeld und bejubelten den Sieg des Challenge-Ligisten. Im Stadion hätten mehr als doppelt so viele Leute Platz gehabt. Dennoch sind die Spuren des Heimspiels am Montagmorgen noch immer unübersehbar. Holzbecher, Bierhalter aus Karton, Matchprogramme und Zigarettenpackungen liegen auf der Stehtribüne. Immer wieder sind auch PET-Flaschen und Aludosen zu finden.
Platzwart Gil Hemmi und Jean-Pierre Hofmann sind mit Reisigbesen, Handschuhen und Müllsäcken ausgerüstet daran, den Abfall der FCA-Fans zusammenzukehren und anschliessend korrekt zu entsorgen. Seit einigen Monaten bekommen die beiden bei dieser Arbeit Hilfe von einer Crew des AZB Strengelbach. Die Stiftung, die Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in verschiedenen Lebensbereichen unterstützt, ist Sozialpartnerin des FC Aarau. «Für uns ist diese Partnerschaft eine perfekte Kombination aus Inklusion und Nachhaltigkeit, die zudem auch noch unsere Mitarbeitenden bei der Reinigung des Stadions enorm entlastet. Diese Arbeit hat unsere Leute früher nach Heimspielen vor ausverkauftem Haus fast eine Woche lang beschäftigt», sagt Jérôme Thiesson, der drei Jahre in der Profiequipe der Aarauer gespielt hat und nun Leiter Operativer Betrieb & Nachhaltigkeit beim FC Aarau ist.
Grosse Strahlkraft und Verantwortung
Knapp 50 Personen arbeiten insgesamt beim FC Aarau, um die Profimannschaft, den Verein sowie die Nachwuchsabteilung zu führen und die rund 20 Heimspiele im Stadion Brügglifeld pro Jahr zu organisieren. «Wir haben vor allem mit unserer ersten Mannschaft, aber auch mit unserer Nachwuchsarbeit eine grosse Strahlkraft und eine soziale Verantwortung, die wir bewusst wahrnehmen wollen», sagt Jérôme Thiesson und nennt gleich mehrere Beispiele: Die Ausbildung von jungen Sportlerinnen und Sportlern durch gutausgebildete Coaches, die Einstiegsmöglichkeiten in den Spitzensport oder die Unterstützung bei der Nachkarriereplanung für Profispieler, die ihre Karriere beim FC Aarau beenden. Aber auch gesellschaftlich relevante Themen wie Inklusion, Anti-Rassismus oder ökologische Nachhaltigkeit sind beim FC Aarau präsent und erreichen aufgrund der Aussenwirkung des Vereins sehr viele Leute. «Das ist eine grosse Verantwortung, der wir uns absolut bewusst sind und die wir so gut wie möglich wahrnehmen wollen», sagt Jérôme Thiesson.
Nachhaltigkeit ist zukunftsrelevant
Im Bereich der Nachhaltigkeit steht der FC Aarau noch am Anfang, hat aber in den letzten Jahren schon erste Massnahmen umgesetzt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Swiss Football League (SFL) das Engagement der Vereine im Bereich der Nachhaltigkeit als lizenzrelevant einstuft. Wer also in einer der beiden Schweizer Profiligen spielen will, muss sich für die Nachhaltigkeit engagieren. Die SFL veröffentlicht seit drei Jahren ein Nachhaltigkeitsranking, und darin hat der FC Aarau im letzten Jahr den zweiten Rang aller Vereine der zweithöchsten Spielklasse belegt. «Wir betrachten die Nachhaltigkeit als zukunftsrelevantes Thema für den Profisport und für den FC Aarau. Bislang sind wir das Thema allerdings immer reaktiv angegangen», sagt Thiesson. Das heisst: Wenn irgendwo ein Problem auftauchte, handelte man beim FC Aarau und suchte eine Lösung. So wurde beispielsweise die Stadionbeleuchtung auf LED umgerüstet, wodurch der Stromverbrauch so stark gesenkt werden konnte, dass der zuvor während der Heimspiele betriebene Dieselgenerator für die LED-Banden und die Cateringstationen nicht mehr gebraucht wird. Das Catering verfolgt eine Zero-Food-Waste-Strategie, im Stadion werden nur rezyklierbare Holzbecher verwendet, und ein Teil der Mitarbeitenden ist mit Elektroautos des vereinseigenen Mobilitätspartners Toyota unterwegs.
Jährlicher Nachhaltigkeitsbericht
Im Rahmen des AKB Förderprogramms will der FC Aarau nun ein übergeordnetes Nachhaltigkeitskonzept für den gesamten Verein entwickeln. «Wir wollen klar definieren, was wir unter Nachhaltigkeit verstehen, unsere bereits bestehenden Aktivitäten in diesem Bereich professionalisieren und zudem strategisch planen, welche zusätzlichen Massnahmen wir ergreifen möchten», fasst Jérôme Thiesson das Projekt zusammen. Damit die Engagements des FC Aarau im Bereich der Nachhaltigkeit auch mess- und vergleichbar sind, soll künftig einmal pro Jahr ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt werden. Dafür soll neu auch eine CO2-Bilanz erstellt werden. In welchem Ausmass diese genau erarbeitet werden kann, wird noch ermittelt, denn unter anderem ist das Gewinnen von Daten im sehr alten Stadion Brügglifeld eine Hürde.
Die Erstellung der CO2-Bilanz ist aber nicht die einzige Herausforderung, die Jérôme Thiesson bei der Erarbeitung des Nachhaltigkeitskonzepts identifiziert hat. «Für mich ist die grösste Herausforderung, sicherzustellen, dass der Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung und alle Mitarbeitenden wissen, was wir als FC Aarau unter Nachhaltigkeit verstehen, was wir dafür tun und wie wir diese Massnahmen im Alltag umsetzen. Da bin ich sehr froh über die Unterstützung der Expertinnen und Experten aus dem AKB Förderprogramm, die einen hervorragenden Beitrag leisten und eine wertvolle Aussenperspektive einbringen.» Bis Ende Jahr soll das überarbeitete Konzept stehen.
Mehr erfahren: fcaarau.ch/nachhaltigkeit