Menu and More AG

Kurz nach halb drei kommt plötzlich Leben in die zuvor ruhige Logistikzentrale der Menu and More AG in Spreitenbach. Gleich mehrere Auslieferfahrzeuge kehren von ihrer Tour zurück. Die Chauffeure steuern die Laderampen an und bringen die leeren Kisten aus den Fahrzeugen zurück ins Lager. Von Montag bis Freitag sind jeden Tag 15 Fahrzeuge unterwegs und beliefern auf ihren Touren insgesamt 600 Kunden mit fertig gekochten Menüs oder einzelnen Menükomponenten. Diese werden gekühlt ausgeliefert und dann von den Küchenteams vor Ort erwärmt und serviert. Zu den Kunden des Unternehmens zählen vor allem Mittagstische von Schulen und Kitas, aber auch Care-Einrichtungen wie Alters- und Seniorenzentren in der ganzen Deutschschweiz.
Grosses Investment in die Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit spielt im Arbeitsalltag der Menu and More AG eine zentrale Rolle. Und das schon seit vielen Jahren. «Wer mit Nahrungsmitteln arbeitet, trägt Verantwortung für Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft», sagt Benjamin Hold, Leiter Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens. 70 Prozent der verarbeiteten Produkte stammen aus der Schweizer Landwirtschaft und sind – wenn immer möglich – saisonal und regional. Fast die Hälfte aller verwendeten Komponenten verfügt über ein Nachhaltigkeitslabel, und wenn Fleisch und Milchprodukte verwendet werden, stammen diese ausschliesslich aus der Schweiz. Auch der Anteil der vegetarischen Menüs stieg über die letzten Jahre kontinuierlich, so dass er mittlerweile bei fast 50 Prozent liegt. Lebensmittelüberschüsse, die in der Küche entstehen, werden in eine Nassmüll-Anlage gebracht und anschliessend zu Biogas verarbeitet. Überzählige Menüs werden an die Caritas-Märkte weitergegeben. «Wir wollen durch unsere Geschäftstätigkeit so wenig Schaden wie möglich anrichten und durch unsere Entscheide möglichst viel zu einer nachhaltigen Wirtschaft und einer lebenswerten Welt beitragen», bringt Benjamin Hold die Nachhaltigkeitsbemühungen auf den Punkt.
Viel Strombedarf
Auch bei der Auslieferung der Menüs legt das Unternehmen, das 85 Mitarbeitende beschäftigt, Wert auf Nachhaltigkeit. Zwei Drittel der Fahrzeugflotte sind bereits elektrisch unterwegs. Allerdings ist die Elektrifizierung der Fahrzeuge mit verschiedenen Herausforderungen verbunden, denn es gibt auf dem Markt keine fertig ausgebauten Kühlfahrzeuge, die elektrisch betrieben werden. Deshalb sind alle Fahrzeuge Einzelanfertigungen, an denen jeweils mehrere Unternehmen beteiligt sind. Olivier Furter, Leiter betriebliche Prozesse und Projekte, beschreibt es wie folgt: «Wir kaufen ein Fahrzeug beim Hersteller, das danach von einer weiteren Firma isoliert werden muss, damit die Kälte nicht entweicht. Dann baut ein weiteres Unternehmen die Kälteaggregate ein, damit das isolierte Fahrzeug gekühlt werden kann.» Die Technologien von Fahrzeug, Isolation und Kälteaggregat sind jedoch nicht aufeinander abgestimmt, da sie von drei verschiedenen Herstellern stammen. Entsprechend ist der Stromverbrauch ziemlich hoch – vor allem im Sommer, wenn die Menüs aufgrund der hohen Aussentemperatur kühl gehalten werden müssen und in der Fahrerkabine zugleich die Klimaanlage läuft. Dies führt dazu, dass die maximale Reichweite der elektrifizierten Fahrzeuge bei einer Ladung von rund 800 Kilogramm nur etwa bei 120 Kilometern liegt. Eine Tagestour kann also mit einem elektrischen Fahrzeug nicht ohne Nachladen absolviert werden.
Komplexe Herausforderung
Dennoch verfolgt die Menu and More AG das Ziel, bis 2030 die gesamte Flotte zu elektrifizieren und hat sich deshalb beim AKB Förderprogramm angemeldet. «Wir benötigen ein koordiniertes Marktscreening, um herauszufinden, welche Komponenten auf welche Weise miteinander kombiniert werden können, damit unsere Fahrzeuge möglichst wenig Energie verbrauchen und so längere Strecken zurücklegen können. Idealerweise ist es dann auch möglich, nicht nur die neuen Elektrofahrzeuge so auszustatten, sondern auch die bestehenden nachzurüsten», sagt Olivier Furter. Dieses Ziel zu erreichen, ist ziemlich komplex, wie sich bereits herausgestellt hat. Entsprechend ist es möglich, dass das Projekt erst nach dem Ende des AKB Förderprogramms im Dezember abgeschlossen werden kann.
Im Rahmen des Förderprogramms arbeitet die Menu and More AG noch an einem zweiten Projekt. Dabei geht es um die Berichterstattung zum Thema Nachhaltigkeit. Auch in diesem Bereich ist das Unternehmen bereits aktiv und erstellt einen jährlichen Fortschrittsbericht. Mit der Unterstützung der Expertinnen und Experten aus dem AKB Förderprogramm soll eine Analyse der aktuellen Berichterstattung erstellt und evaluiert werden, welche zusätzlichen Daten und Fakten noch gesammelt und aufbereitet werden können. Denn eines ist klar: Die Stakeholder und Kunden von der Menu and More AG werden in Zukunft noch mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen. «In den letzten Jahren hat die Bedeutung der Nachhaltigkeit gerade bei öffentlichen Ausschreibungen deutlich zugenommen – und das wird so weitergehen», ist Benjamin Hold überzeugt. «Deshalb wollen wir unsere Datengrundlage in punkto Nachhaltigkeit so gut wie möglich vorbereiten, damit wir für die Zukunft bestmöglich gerüstet sind und einen Vorteil gegenüber unserer Konkurrenz haben.»
Mehr erfahren: menuandmore.ch