Forschungsinstitut für biologischen Landbau

Obwohl die Nachhaltigkeit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL in Frick zum Kerngeschäft gehört, hat bisher eine übergeordnete Nachhaltigkeitsstrategie gefehlt. Diese wird nun mit Hilfe der Expertinnen und Experten des AKB Förderprogramms bis Ende Jahr erarbeitet.
Forschungsinstitut für biologischen Landbau

Dreizehn Hochbeete stehen in zwei Reihen angeordnet auf einem Kiesplatz. In den Kisten wachsen vier verschiedene ProSpecieRara-Blumenmischungen. Diese sollen möglichst attraktiv sein für eine Vielzahl von Insekten, Bestäubern und Nützlingen. Am FiBL, dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick, läuft eine wissenschaftliche Erhebung, um herauszufinden, welche Mischungen dem Anspruch «insektenfreundlich» gerecht werden. «Wir schauen, welche Insekten die Blüten besuchen und wie lange sie verweilen. Daraus können wir die Attraktivität der jeweiligen Mischungen für die verschiedenen Insektenarten ableiten. Die Art der Insekten und die Verweildauer zeichnen wir mit einem Geräts auf und berechnen daraus statistische Werte», sagt Santiago Perez-Bernal, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FiBL.

Dieses Projekt ist eines von vielen, an denen am FiBL derzeit geforscht wird. Zum Beispiel läuft eine europaweite Untersuchung, bei der man der Frage nachgeht, wie Mikroplastik in landwirtschaftliche Böden kommt, welche Auswirkungen dieses auf Bodenlebewesen und Kulturpflanzen hat und wie die landwirtschaftlichen Entscheidungen und Bewirtschaftungspraktiken die Belastung beeinflussen. Bei einem anderen Projekt mit dem Namen «Agri-PV» werden die Effekte von Solarpanels auf landwirtschaftliche Kulturen untersucht. Die Panels schützen die Pflanzen vor der Witterung und spenden Schatten, während sie Strom produzieren. Seit 1978 läuft am FiBL zudem der weltweit bedeutendste Langzeit-Feldversuch «DOK», bei dem die Anbausysteme biologisch-dynamisch (D), organisch (O) und konventionell (K) verglichen werden. Untersucht werden unter anderem die Ertragsentwicklung, die Nährstoffkreisläufe und die Bodenqualität.

Projekte im In- und Ausland

Mit diesen vielfältigen Forschungsprojekten verfolgt das FiBL seit mehr als 50 Jahren eine grosse Mission. «Wir wollen die Ernährungssysteme so verändern, dass sich alle Menschen gesund und im Einklang mit der Natur ernähren können», sagt Richard Tüscher, CFO und Vize-Vorsitzender der Geschäftsleitung. Für dieses ambitionierte Ziel forschen am FiBL derzeit rund 350 Mitarbeitende, wobei für viele Forschungsprojekte Kooperationen mit anderen Instituten und Organisationen im In- und Ausland eingegangen werden. Bei der täglichen Arbeit dreht sich vieles um Ökologie, Gesundheit, Fairness und Vorsorge, wobei die Erkenntnisse aus der Forschung wenn immer möglich eine direkte Wirkung auf die Arbeit im Feld oder im Stall haben sollen. Die Nachhaltigkeit ist also fest verankert im Kerngeschäft des FiBL.

Und trotzdem hat man sich dazu entschieden, am AKB Förderprogramm teilzunehmen. Vor etwas über zwei Jahren wurde am FiBL ein Strategieprozess lanciert, bei dem festgestellt wurde, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht nur im Kerngeschäft, sondern auch im betrieblichen Sinn massgeblich ist. «Wir haben in unserem Strategieprozess realisiert, dass wir in diesem Bereich noch viel Potenzial haben. Deshalb haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet und versucht, das Thema selbst in die Hand zu nehmen», sagt Maura Ellenberger, welche die Arbeitsgruppe gemeinsam mit Santiago Perez-Bernal koordiniert. Durch eine Befragung der Mitarbeitenden wurden Massnahmen gesammelt, die am FiBL umgesetzt werden könnten, um nachhaltiger zu werden.

CO2-Fussabdruck spielt zentrale Rolle

«Schnell haben wir gemerkt, dass wir unbedingt eine grundlegende Systematik benötigen, um unsere Bemühungen im Bereich der betrieblichen Nachhaltigkeit zu strukturieren, zu priorisieren und messbar zu machen», sagt Ellenberger. Diese Erkenntnis fiel praktisch mit der Ausschreibung des AKB Förderprogramms für dieses Jahr zusammen. Deshalb entschied man sich am FiBL kurzerhand, eine Bewerbung einzureichen. «Wir sind überzeugt, dass uns die Teilnahme am Förderprogramm den nötigen Rückenwind gibt, um unser Projekt in die richtigen Bahnen zu lenken», sagt Richard Tüscher.

Mit der Unterstützung der Expertinnen und Experten des AKB Förderprogramms wollen Ellenberger und Perez-Bernal mit ihrem Team eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie für das FiBL entwickeln. Noch sind nicht alle Inhalte festgelegt. Sicher ist jedoch, dass der CO2-Fussabdruck eine zentrale Rolle spielen wird. Dafür müssen unter anderem der genaue Energieverbrauch erhoben und das Thema der Mobilität angegangen werden. «Das ist ein grosser Aufwand, denn unsere Mitarbeitenden sind für ihre Projekte viel im Ausland unterwegs. Bislang wurden diese Reisen nicht im Detail erfasst und auch nicht gesteuert», sagt Santiago Perez-Bernal.

Das Fundament legen

Ebenfalls Teil der Nachhaltigkeitsstrategie soll es sein, die vielen Massnahmen aus der Befragung der Mitarbeitenden zu priorisieren und ihre Umsetzung zeitlich zu planen. «Die Erarbeitung des Nachhaltigkeitskonzepts ist sehr komplex und zeitintensiv. Entsprechend ist es nicht einfach, neben dem normalen Arbeitsalltag genügend Ressourcen zu finden. Die Unterstützung der Expertinnen und Experten ist bei der Strukturierung sehr wertvoll. Wir sind überzeugt, dass wir sehr viel profitieren können, wenn wir uns richtig darauf einlassen», sagt Maura Ellenberger. Und das tun die Verantwortlichen am FiBL. «Wir wollen mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie das Fundament legen, um die Nachhaltigkeit als festen Bestandteil der Organisationsentwicklung zu verankern und die Umsetzung langfristig systematisch zu steuern», blickt Richard Tüscher voraus.

Mehr erfahren: fibl.org

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