12. Juli 2022 | Marktberichte

Aargauer Konjunkturbarometer

Barometer weiter im Abwärtstrend
Aargauer Konjunkturbarometer
Der Aargauer Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung sinkt um 3,6% auf 90,2 Punkte. Damit tendiert der Barometer fast 10% unter dem langfristigen Wachstumstrend von 100 Punkten. Mit Ausnahme des Aussenhandels haben alle Komponenten innert Monatsfrist verloren.
 

Nervosität an den Finanzmärkten

Am deutlichsten gab die Finanzmarkt-Komponente nach. Die neusten Daten deuten auf ein Rezessionsrisiko in den USA von rund 40% hin. Entsprechend sanken die Aktienindizes nahe an die Jahrestiefststände. Erfreulicherweise ist die Volatilität jedoch trotz der schwachen Entwicklung an den Börsen nur moderat gestiegen. Die Währungsmärkte spüren die Unsicherheit ebenso. Die sicheren Häfen wie Schweizer Franken und US-Dollar gewinnen weiter an Wert. Die Rohstoffmarktpreise haben sich nach unten bewegt. Sie reagieren damit auf die schwächeren Wirtschaftsprognosen. 

Globale Industrie bleibt unter Druck

Der handelsgewichtete Einkaufsmanager-Index (PMI) für die Schweizer Industrie, welcher nur ausländische PMIs berücksichtigt, ist innert Monatsfrist um 1,5% auf 52,3 Zähler gesunken. Der globale JPMorgan Global Manufacturing PMI notiert auf dem gleichen Niveau. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Neuaufträge um fast einen Prozentpunkt zurückgefallen sind. Meldungen über höhere, tiefere und stagnierende Auftragsvolumen halten sich demnach aktuell die Waage. Das sich abschwächende Wachstum der Auftragseingänge reflektiert das geringere Vertrauen der Unternehmen, einen erhöhten Inflationsdruck und die angespannten globalen Lieferketten.
Trotz allem ist die weltweite Produktion im Juni per Saldo wieder gewachsen, da eine Lockerung der Covid-Beschränkungen in China eine Erholung in dem weltweit grössten Produktionsstandort einleitete. Das Wachstum verlangsamte sich hingegen in den USA, Japan, Indien, dem Vereinigten Königreich und Brasilien. In der Eurozone und in Südkorea war die Produktion sogar rückläufig. Ohne Berücksichtigung Chinas fiel der Subindex der Produktion von 52,6 auf 50,6, was nun auf eine Beinahe-Stagnation hindeutet. 

Weiterhin solide Konsumaussichten

Am stärksten war das Wachstum in der Konsumgüterindustrie, welches zu einem Siebenmonats-Höchststand führte. Auch bei den Vorleistungs- und bei den Investitionsgütern kam es zu einem erneuten Anstieg, nachdem im April und Mai jeweils ein Rückgang zu verzeichnen war. Die Nachfragesituation blieb jedoch zum Ende des zweiten Quartal relativ schwach. Die internationalen Handelsströme waren weiterhin rückläufig, da das Volumen der neuen Exportgeschäfte den vierten Monat in Folge schrumpfte. 

Schweizer Industrie immer noch robust

Der procure.ch Purchasing Managers' Index (PMI) deutet nach wie vor auf eine rege inländische Industriekonjunktur hin. Die Dynamik hat sich im Vergleich zu den Vormonaten aber abermals leicht abgeschwächt. Der PMI des verarbeitenden Gewerbes steht auf 59,1 Punkten und damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Überdurchschnittlich hoch sind die Subindizes Auftragsbestand (60,7) und Beschäftigung (62,0). Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist mit steigenden Einkaufspreisen konfrontiert (84,0). Die Lieferkettenproblematik entspannt sich, indessen ist bei den steigenden Preisen vorerst gemäss procure.ch noch keine grosse Linderung zu erwarten. 
Der Dienstleistungssektor hat im Juni in der Schweiz ebenfalls an Schwung eingebüsst. Der Dienstleistungs-PMI liegt allerdings weiterhin deutlich über der Wachstumsschwelle. Aufgrund der Zusatzfragen von procure.ch zur Zinssituation ist der Einfluss der Zinserhöhung auf die Industrie bis auf Weiteres marginal.

Swiss Index sinkt um 5,5%

Der ebenfalls von der Aargauischen Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung herausgegebene und analog erhobene gesamtschweizerische Benchmark - der Swiss Index - verlor im Juni 5,5% und beträgt neu 86,5 Punkte. Der Swiss Index, bei welchem die Finanzmarkt-Komponente höher und die Industrie-Komponente sowie der Aussenhandel tiefer gewichtet ist, notiert aktuell 13,5 Punkte unter dem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten. Gemäss der Methodologie kehren beide Indizes früher oder später auf den Wert von 100 Punkten zurück. Das Momentum der beiden Indizes sollte mit einer Verzögerung von rund drei bis sechs Monaten durch die offiziellen Wirtschaftsdaten reflektiert werden.
Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und den global weniger schnell als erwartet sinkenden Inflationsniveaus rechnet die Aargauischen Kantonalbank für das Jahr 2022 noch mit einer Zunahme des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) in der Schweiz von rund 2,5%. Das Inflationsniveau dürfte in der Schweiz 2022 um knapp 3% gegenüber dem Vorjahr ansteigen.

 

Konjunkturbarometer powered by Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung:

Der Aargauer Konjunkturbarometer zeigt die aktuelle Dynamik der Aargauer Wirtschaft auf. Der Barometer berücksichtigt zentrale Säulen der Wirtschaft. Zu den Komponenten gehören die Stimmung der Konsumenten und Investoren, das Geschäftsklima sowie im Speziellen die Indizes der Industrie und der Finanzwirtschaft. Der Barometer wertet nur Daten aus, die zeitnah verfügbar sind. Im Indikator-Design spielen frühzyklische Komponenten eine besonders wichtige Rolle. Auf diese Weise wird die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftsleistung - gemessen am Bruttoinlandprodukt - mehrere Monate im Voraus antizipiert. Innovative Techniken wie Internet-Analysen und neue Datenquellen werden ins System eingebunden. Neben dem Aargauer Konjunkturbarometer haben die Aargauische Kantonalbank und Aargau Services Standortförderung einen weiteren, nationalen Indikator kreiert: Der entsprechende Swiss Index verfügt über die gleiche Methodologie wie der regionale Index. Hingegen unterscheiden sich die beiden Indikatoren teilweise bezüglich der Gewichtung und Daten. Der historische Durchschnitt beider Indikatoren beträgt immer 100. Das heisst auch: Der Barometer verläuft in einer gewissen Bandbreite langfristig seitwärts. Werte über 100 signalisieren ein im historischen Vergleich überdurchschnittliches Wachstum; Werte unter 100 ein unterdurchschnittliches Wachstum.

 

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